Autograf: Biblioteka Jagiellońska Kraków (PL-Kj), Sign. Korrespondencja Schumanna, Bd. 26/1, Nr. 4635
Druck: Julia M. Nauhaus, Musikalische Welten. Clara und Robert Schumanns Verbindungen zu Braunschweig, Sinzig 2010, S. 171

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn Musikdirector
Robert Schumann
in
Düsseldorf.

Nebst einem
Notenbuch mit gleicher Adresse

franco.


Cassel den 5ten Febr.
1853

Hochgeehrter Herr Musikdirector,

So eben schickt mir der Intendant1 unsers Hoftheaters den Clavierauszug Ihrer Oper zurück, und läßt mir sagen, daß seine Anfrage beym Kurfürst, ob dieselbe gegeben werden solle, verneinend beantwortet worden sey. Ich glaube Ihnen schon in meinem vorigen Briefe geschrieben zu haben, daß ich auf die Wahl der neu zu gebenden Opern leider gar keinen Einfluß habe, indem der Kurfürst sich die Entscheidung vorbehalten hat; ja, daß es bey den Verhältnißen in welchen ich mit ihm stehe, hinreicht, daß ich mich für ein Werk interessire, um es von ihm verworfen zu sehen! Wäre ich nicht so alt, so hätte ich diese peinliche Stellung längst aufgegeben!
Indem ich Ihnen beyfolgend das Werk zurücksende, danke ich Ihnen noch für die Freude, die meiner Frau und mir das wiederholte Durchspielen und Singen desselben gemacht hat, indem wir uns lebhaft des Eindrucks erinnerten, den es damals in den Leipziger Theaterproben auf uns machte.2
Indem ich bitte, uns Ihrer Frau Gemahlin zu empfehlen, unterzeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
ergebener
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Schumann, Robert
Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Heeringen, Josias von
Spohr, Marianne
Erwähnte Kompositionen: Schumann, Robert : Genoveva
Erwähnte Orte: Kassel
Leipzig
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Stadttheater <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1853020511

http://bit.ly/2QdLhjT

Spohr



Dieser Brief folgt in dieser Korrespondenz auf Spohr an Schumann, 19.12.1852. Dies ist der letzte bekannte Brief dieser Korrespondenz.

[1] Josias von Heeringen.

[2] Spohr besuchte vom 22. bis 24.06.1850 Proben von Schumanns Genoveva in Leipzig, reiste aber bereits vor der Premiere am 25.06. weiter nach Dresden (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 22. bis 24.06.1850).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (02.11.2018).