Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.1 <18500503>

Herrn
Musikdirector und Oberor-
ganist Adolph Hesse
Wohlgeb.
in Breslau

frei.


Cassel den 3ten
May 1850

Geehrter Freund,

Da ich bis jetzt noch frei über meine Ferienzeit disponieren kann, so will ich es, Ihrem Wunsche gemäß, gern so einrichten, daß wir zuerst Breslau besuchen. Da wir wahrscheinlich den 19ten Juni von hier abreisen werden, so können wir, einige Tage Aufenthalt unterwegs eingerechnet, den 24sten oder 25sten in Breslau eintreffen. Tag und Stunde werde ich Ihnen von der Reise aus noch melden, damit Sie uns in ein für unsere Zwecke passend gelegenes Hôtel führen können.
Mit Ihren Musikplänen für unseren dortigen Aufenthalt bin ich vollkommen einverstanden, besonders lieb ist es mir, wenn Zemire und Azor dann zum ersten Mal gegeben wird, weil bey einer dort noch unbekannten Oper meine Mitwirkung doch am nützlichesten seyn kann. Ich übernehme daher sehr gern die Direction der letzten Proben und der ersten Aufführung.
Statt der 3ten Sinfonie, die ich zwar auch unter meinen Sinfonien fast am höchsten stelle, mögte ich eine andere, eine eben vollendete vorschlagen, die 9te. Sie heißt: die Jahreszeiten. Ich habe sie nach der Krankheit geschrieben und werde sie zum ersten Mal in unserm bevorstehenden Pfingstconcerte aufführen. Für den Fall jedoch, daß sie bey der Aufführung meiner Erwartungen nicht ganz entsprechen sollte, bin ich auch gern mit Ihrer Wahl einverstanden. Da die neue Sinfonie schwer ist und mehrere Proben bedarf, so könnte ich Partitur und Stimmen im Voraus einsenden, damit eine oder einige Vorproben vor meiner Ankunft gehalten werden könnten. Auch könnten die Geigen- und Baß-stimmen, falls Sie bey der dort beabsichtigten Besetzung mehr wie 4 Stimmen gebrauchen, im Voraus dort vervielfältigt werden. – Von Quartetten, Quintetten pp und Claviertrios werde ich Ihnen spielen, was Sie wünschen, doch werde ich von meiner Musik, um mein Gepäck nicht zu sehr zu erschweren nur das mitbringen, was Manuscript ist, oder vielleicht noch nicht bis Breslau gedrungen seyn mögte.
Herrn Kriegsrath Körte, den Sie ohne Zweifel kennen, bitte ich herzlichst zu grüßen und ihm zu sagen, daß mich sein liebes Briefchen1 und seine Theilnahme zu meinem Unfall sehr erfreut hätten und daß ich ihm persönlich meinen Dank aussprechen würde.
Da wir auch eine Excursion ins Gebirge machen wünschen, so werden wir unsern Aufenthalt in Breslau wohl bis zu 14 Tagen ausdehnen. Wir freuen uns recht darauf. Sie nac[h] langer Zeit einmal wieder zu s[ehen].
Leben Sie bis dahin wohl.
Wie immer freundschaftlichst ganz

der Ihrige
Louis Spohr

NS. Für Ihren freundlichen Glückwunsch zu meinem Geburtstag und die Nachrichten die sie mir über mein liebes Nichtchen Rosalie gaben, noch nachträglich den herzlichsten Dank.2

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hesse, Adolph
Erwähnte Personen: Körte, Christian
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Jahreszeiten
Spohr, Louis : Sinfonien, op. 78
Spohr, Louis : Zemire und Azor
Erwähnte Orte: Breslau
Erwähnte Institutionen: Stadttheater <Breslau>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1850050301

http://bit.ly/1VHXQU3

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Hesse an Spohr, 30.04.1850. Hesse beantwortete diesen Brief am 16.05.1850.

[1] Vgl. Christian Körte an Spohr, 12.03.1850.

[2] Vgl. Hesse an Spohr, 03.04.1850.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (21.04.2016).