Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr-Correspondenz 2,137

Leipzig 3 July 1848.

Verehrter Herr,

Unsere sturmbewegte Zeit, die so colossale Ergebnisse mit sich bringt, setzt alles, selbst die unbedeutendsten Werkzeuge in Thätigkeit u so dürfen Sie sich nicht wundern daß selbst ich es wage für die vielen nothleidenden Brüder mitzuwirken; freilich kann ich dies nicht durch mich selbst, u wende mich daher als eine Bittende an viele unsrer liebsten Freunde in der Kunst, u auch an Sie verehrter Herr, daß Sie mich mit einem kleinen Beitrag für Pianoforte sehr aus Ihrem reichen Schatz beschenken; alle diese von mir gesammelten Beiträge sollen von Chappell in London u von Härtel in Leipzig als Album des Pianistes zum Besten der brodlosen Arbeiter erscheinen. Möge der Zweck die Bitte u ihre Unbescheidenheit bei Ihnen entschuldigen u möchten Sie mir auch im Falle der Nicht-Gewährung freundlich gewogen bleiben; oder doch wenigstens nicht zürnen!
Mein Mann trägt mir die herzlichsten Empfehlungen auf u wir beide bitten Si[e] uns dem Andenken Ihrer werthen Frau Gemahlin u der herrlichen Frau v. Malsbu[rg] zurückzurufen

Mit vollkommenster Hochacht[ung]
bleibe ich ergebenst
Charlotte Moscheles

Autor(en): Moscheles, Charlotte
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Rondoletto, Kl, op. 149
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1848070342

http://bit.ly/2qO2FyK

Spohr



Dieser Brief ist der erste erhaltene Brief der von ihrem Mann unabhängigen Korrespondenz von Charlotte Moscheles mit Louis Spohr. Sie hatte allerdings bereits am 12.04.1842 in Vetretung ihres Manns Ignaz einen Brief an Spohr geschrieben.
Spohr beantwortete diesen Brief am 20.07.1848.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (05.05.2017).