Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,191
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 295f. (teilweise)

Sr. Wohlgeb
Herrn Wilhelm Speyer
in
Frankfurt a/m

frei


Cassel den 29sten
März 1846.

Geliebter Freund,

Recht sehr habe ich mich gefreut einmal wieder ein Zuschrift von Ihnen zu erhalten und mit großem Vergnügen Ihren Wunsch nach Kräften zu erfüllen gesucht, indem ich gestern an Freund Taylor direct geschrieben, den Besuch Ihrer lieben Tochter angekündigt und ihn gebeten habe, sich ihrer väterlich anzunehmen.1 Obgleich sie bereits an ihn empfohlen ist, hielt ich den Brief doch nicht für überflüssig, da Taylor sie in einige sehr angesehene musikalische Häuser einführen kann und dieß vielleicht ohne meine specielle Bitte versäumt haben würde. Da er ihr überhaupt in mancher Beziehung nützlich sein kann und dazu gewiß den besten Willen haben wird, so mögte ich rathen, daß er einer der ersten sey, den Ihre liebe Tochter nach Ihrer Ankunft in London aufsucht und daß sie ihn in allen Dingen um Rat fragt. – Auch lege ich einen Brief an Bennett bey, in welchem sie einen liebenswürdigen Menschen und ausgezeichneten Künstler wird kennen lernen.2
Ich sehne mich recht sehr danach Sie einmal wieder zu sehen und zu sprechen und Ihnen meine neuen ziemlich zahlreichen Arbeiten vorzuführen. In diesem Sommer darf ich aber nicht darauf hoffen, da ich die im vorigen Sommer nur begonnene Kur in Carlsbad nun ordentlich zu Ende führen muß. Ich hatte für die Ferienzeit wieder eine Einladung nach London, um in Exeter Hall3 an drei Abenden meine Oratorien zu dirigieren4, mußte sie aber für dieses Jahr ablehnen.5
Läßt mir Gott aber die Gesundheit, so gehe ich in Gesellschaft meiner Frau im nächsten Jahre nach London und dann werden wir Sie auf der Hin- oder Her-Reise in Frankfurt besuchen.
Die herzlichsten Grüße an die lieben Ihrigen. Mit inniger Freundschaft stets ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Speyer, Wilhelm
Erwähnte Personen: Bennett, William Sterndale
Speyer, Antonie
Spohr, Marianne
Taylor, Edward
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Der Fall Babylons
Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Karlsbad
London
Erwähnte Institutionen: Sacred Harmonic Society <London>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1846032902

http://bit.ly/1pph1F7

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Speyer an Spohr, 16.03.1846. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Speyer an Spohr, 23.01.1847.

[1] Spohr an Edward Taylor, 27.03.1846.

[2] Spohr an William Sterndale Bennet, 29.03.1846.

[3] Spielstätte der Sacred Harmonic Society.

[4] Edward Taylor will Spohr in seinem Brief vom 15.03.1846 zwar für drei Aufführungen gewinnen, erwähnt jedoch nur die Oratorien Die letzten Dinge und Der Fall Babylons ausdrücklich (vgl. hierzu auch Karl Traugott Goldbach, „,... daß die dabei gehaltene Predigt großentheils gegen sein Oratorium gerichtet war’. Zur Rezeption von Des Heilands letzte Stunden in Großbritannien”, in: Die Oratorien Louis Spohrs. Kontext - Text - Musik, hrsg. v. Dominik Höink, Göttingen 2015, S. 307-339, hier S. 328f.).

[5] Vgl. Spohr an Edward Taylor, 27.03.1846.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.03.2016).

Cassel, 29. März 1846.

Recht sehr habe ich mich gefreut einmal wieder ein Zuschrift von Ihnen zu erhalten und mit großem Vergnügen Ihren Wunsch nach Kräften zu erfüllen gesucht, indem ich gestern an Freund Taylor direkt geschrieben, um den Besuch Ihrer lieben Tochter anzukündigen und ihn gebeten habe, sich ihrer väterlich anzunehmen. Obgleich sie bereits an ihn empfohlen ist, hielt ich den Brief doch nicht für überflüssig, da Taylor sie in einige sehr angesehene musikalische Häuser einführen kann und dieses vielleicht ohne meine spezielle Bitte versäumt haben würde. Da er ihr überhaupt in mancher Beziehung nützlich sein kann und dazu gewiß den besten Willen haben wird, so möchte ich raten, daß er einer der ersten sei, den Ihre liebe Tochter nach Ihrer Ankunft in London aufsucht und daß sie ihn in allen Dingen um Rat frage. Auch lege ich einen Brief an Sterndale Bennett bei, in welchem sie einen liebenswürdigen Menschen und ausgezeichneten Künstler kennen lernen wird. Ich sehne mich recht sehr danach Sie einmal wieder zu sehen und zu sprechen und Ihnen meine neuen ziemlich zahlreichen Arbeiten vorzuführen. In diesem Sommer darf ich aber nicht darauf hoffen, da ich die im vorigen Sommer nur begonnene Kur in Karlsbad nun ordentlich zu Ende führen muß. Ich hatte für die Ferienzeit wieder eine Einladung nach London, um in Exeter Hall an drei Abenden meine Oratorien zu dirigieren, mußte sie aber für dieses Jahr ablehnen. Läßt mir Gott aber die Gesundheit, so gehe ich in Gesellschaft meiner Frau im nächsten Jahre nach London und dann werden wir Sie auf der Hin- oder Herreise in Frankfurt besuchen.