Autograf (oder autografer Entwurf?): letzter Nachweis siehe Druck 3
Vorlage: Transkript in einer Computerdatei von Herfried Homburg († 2008) nach einem autografen Entwurf in Privatbesitz
Druck 1: Versteigerungskatalog des Musiknachlasses von E. Prieger (= Katalog Lempertz), Bonn und Köln 1924 (teilweise)
Druck 2: Autograph Letters and Historical Documents (= Katalog Maggs Bros. 551), London 1930, S. 130 (teilweise, engl. Übers.)
Druck 3: Autograph Letters and Historical Documents (= Katalog Maggs Bros. 737), London 1944, Nr. 986 (teilweise, engl. Übers.)
Beleg: Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Autogramme, Miniaturen aus Schweizer Privatsammlungen und aus anderem Besitz (= Auktionskatalog Bollag), Zürich 1935, S. 10

Berlin, Dienstag früh,
den 29sten Juli 1845
im Moment der Abreise.

Hochverehrte Herren, Mitglieder der kgl.Hofkapelle,

Als Sie gestern abend so unerwartet erschienen und mir, begleitet von den beredten Worten ihres Führers das schöne Ehrengeschenk überreichten, war ich so überrascht und gerührt, daß ich keine Worte finden konnte, Ihnen meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen. Gestatten Sie mir daher, es schriftlich zu versuchen. Bei meinem Eintritt in Ihr Orchester von Ihnen auf das freundlichste bewillkommet, widmeten Sie meinem Werke in 3 Proben und 2 Aufführungen so viele Aufmerksamkeit, erfüllten so freundlich meine kaum ausgesprochenen Wünsche, daß es bei einem, an Intelligenz so reichen Orchester nicht verwundern darf, wenn alles auf das Genaueste und ganz den Wüschen des Komponisten gemäß, ausgeführt wurde. Hat das Werk sich einiges Beifalls zu erfreuen gehabt, so verdankt es ihn zum großen Theile diesem, durch die glänzendsten Fähigkeiten unterstütztem Eingehen in die Intensionen der Komposition, und ich freue mich, Ihnen daher hier noch ins Besondere meinen herzlichsten Dank aussprechen zu können und wahrlich, es hätte nicht noch eines so glänzenden Ehrengeschenkes bedurft, um mir den dießmaligen Aufenthalt in Berlin unvergeßlich zu machen. Ihr hochverehrtes und mich so ehrendes Geschenk erhebt ihn aber nun zu einem der schönsten Glanzpunkte meines langen Künstlerlebens, und ich werde es nie ohne tiefe Rührung betrachten können. Nehmen Sie mit meinem herzlichsten Danke auch die Wünsche für Ihr aller Wohl und schenken Sie mir Ihr freundliches Andenken.

Dr. Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hofkapelle
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845072913

http://bit.ly/2D8Ah5e

Spohr



Dieser Brief ist Spohrs Entgegnung auf die Übergabe eines Lorbeerkranz‘ durch die Hofkapelle Berlin (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheintrag, 28.07.1845; Louis Spohr, Louis Spohr's Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 298f.) und die begleitende Rede Meyerbeers am 28.07.1845.
Die bibliografischen Angaben zu den Drucken 1 und 3 folgen den Angaben in Giacomo Meyerbeer, Briefwechsel und Tagebücher, Bd. 3, hrsg. v. Heinz Becker und Gudrun Becker, Berlin 1975, S. 804.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.09.2018).