Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochgeehrter Herr Hof-Capellmeister!

Ich erlaube mir Ihnen hiermit die ergebenste Anzeige zu machen daß die Schülerin meiner Frau Dlle Heintzen hier vorige Woche in Ihrer Jessonda, als Jessonda auftrat, und allgemein durch ihre schöne Stimme so wie durch Vortrag und Durchführung gefiel, so daß ihr die lebhaftesten Beweise von Beifall gespendet wurden. - Das Hauptaugenmerk für das junge Mädchen ist nun ein Engagement, wo ihr Beschäftigung genug gebothen wird, um ihr Talent gehörig auszubilden, aber sie bedarf dabei auch noch einen höhern Beitrag(?)1 und würde sich daher überglücklich schätzen, wenn sie vielleicht an Ihrer Bühne eine Stellung finden könnte, vorerst für kleine Parthien, und nach und nach die größeren. Sollten Sie daher Lust haben mit ihr einen Versuch zu machen, so würde es sehr gut seyn wenn Sie ihr 2-3 Rollen zur Probe gewähren könnten, wobei Ihnen Gelegenheit wird sich von ihren Fähigkeiten zu überzeugen.2 Die Stimme hat eine enorme Ausdauer, und die Intonation, die damals schwankte3 ist viel freierer geworden, und wird gewiß damit ganz fest werden. Ihre Ansprüche sind vorläufig sehr gering und das Glück unter Ihrer Leitung zu stehen, würde sie bestimmen die billigsten Forderungen(?) zu machen. Auch für die Rollen würde sie sich nur so viel bedingen daß Reise & Aufenthalt von ew(???) 14 Tagen gedekt wären.
Indem ich mich Ihnen & Ihrer werthen Gattin auf das Beste empfehle freue ich mich unendlich daß hier Ihre Kreuzfahrer zur Aufführung kommen, und werde mir mit meiner Rolle die ordentlichste Mühe geben, so wie, wenn ich die Oper zur Scenirung erhalten sollte, ich nichts unterlassen werde, was daselbst nützen kann.
Ich sehe Ihrer gefälligen Antwort ehestens entgegen und empfehle mich mit der ausgezeichnetsten Hochachtung

Ihr ergeb.
F Schmezer
Hofsänger & Regisseur

Braunschweig 22/3 45.

Autor(en): Schmezer, Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Heintzen, Elise
Schmezer, Elise
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Der Fall Babylons
Spohr, Louis : Jessonda
Spohr, Louis : Die Kreuzfahrer
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Braunschweig>
Musikfeste <Braunschweig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1845032244

http://bit.ly/2YQQ9AR

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schmezer an Spohr, 11.02.1834. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schmezer an Spohr, 26.09.1845.

[1] Noch zwei Jahre später heißt es über Elise Heintzen: „Sie kam vor 2 Jahren als Anfängerin von Braunschweig hierher, und gefiel Anfangs nur wenig, hat aber im letzten Jahre durch den vortrefflichen Gesangunterricht der Mad. Krüger-Fürth, die seit einem Jahre nicht mehr engagirt ist, so viel an Fertigkeit und Vortrag gewonnen, dass sie vor Kurzem als Norma, Rezia, u.s.w. alle Hörer in Erstaunen versetzt hat“ (Carl Alt, „Musikzustände in Riga“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 49 (1847), Sp. 498-501, 511-515 und 536-539, hier Sp. 512).

[2] Über ein Gastspiel Heintzens in Kassel ist nichts bekannt. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Engagement in Halberstadt (vgl. K., „Halberstadt“, in: Signale für die musikalische Welt 3 (1845), S. 7).

[3] Heintzen sang 1844 in Spohrs Anwesenheit die Solo-Sopran-Partie von Der Fall Babylons (vgl. „Signale aus Braunschweig“, in: Signale für die musikalische Welt 2 (1844), S. 326; Marianne Spohr, Tagebucheintrag 29.09.1844).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.12.2019).