Autograf: Stadtbibliothek Hannover (D-HVs), Sign. Handschriftenarchiv

Sr. Wohlgeb
Herrn Kammermusikus
A.C. Prell
in
Hannover

franco.


Cassel den 5ten
Februar 1842.

Hochgeehrter Herr,

Ich habe die Antwort auf Ihr geehrtes Schreiben verzögert, weil bald nach Eingang desselben, die schon längst erwartete Auflösung unseres talentvollen Hasemanns erfolgte.1 Sogleich nach seinem Hinscheiden wurde sein Nachlaß gerichtlich versiegelt, unter welchem die beyden Violoncells, namentlich das von Guarnerius das allein Werthvolle sind. Nun werden die Erben in öffentlichen Blättern aufgefordert werden sich zu melden und dann wird höchstwarscheinlich eine Auction des Nachlasses und der Instrumente stattfinden.
Bis es dazu kommt, können aber leicht noch 4-6 Wochen vergehen. Jedenfalls wird die Auction 8 Tage vorher in der hiesigen allgemeinen Zeitung angezeigt und sie werden daher Zeit haben entweder selbst zu kommen, oder jemand hier den Auftrag zu geben, für Sie zu bieten. Da der Werth des Guarneri-Basses aber hier hinlänglich anerkannt ist, so werden die hiesigen Violoncellisten, Künstler sowohl wie Dilettanten, alle darauf speculiren und er kann daher leicht bis zu 400 Rthlr. hinaufgetrieben werden. Doch glaube ich kaum, daß einer der Hiesigen so viel wird anwenden können, obgleich das Instrument so viel und mehr werth ist.
Indem ich Ihnen vorstehend die Auskunft gegeben habe, die vor der Hand zu geben ist, will ich wünschen, daß Sie dadurch veranlaßt werden, seiner Zeit selbst hierher zu kommen und uns dadurch das Vergnügen zu Theil wird, mit Ihnen wieder einige Mal zu musiciren.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
ergebenster
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Hasemann, Nikolaus
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842020514

http://bit.ly/2deoTpR

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Prell an Spohr.

[1] Hasemann starb am 02.02.1842 („N.N. Hasemann”, in: Neuer Nekrolog der Deutschen 20 (1842), S. 962).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.09.2016).