Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochgeehrtester
Hochzuverehrender Herr Kapellmeister!

Seit Ew. Wohlgeboren geehrten Schreiben v. 4. d.M.1, worauf ich sogleich an Herrn Kapellmeister Grund nach Meiningen schrieb, habe ich von daher noch keine Nachricht wieder erhalten; da mir nun auch von H. Amente seit dieser Zeit keine weitere Nachricht über das Benehmen meines Sohnes wurde, so bin ich, um mich aus dieser quälenden Ungewißheit zu reissen, so frei, Ew. Wohlgeboren schon wieder zu belästigen.
So gerne ich meinen Sohn noch so lange es Ew. Wohlgeboren wünschten in Cassel gelassen hätte, wenn er ordentlich gewesen wäre, seine Zeit nützlich angewendet und sich bestrebt hätte, seine Herren Lehrer und Aeltern durch sein Betragen und seinen Fleiß Freude zu machen und sein zukünftiges Glück zu gründen, so wenig wird ihm der längere Aufenthalt dort Nutzen bringen, wenn er noch immer nach seiner Weise fortlebt und in dieser letzten Zeit nicht fleissig und eifrig geworden ist, es ist dann alles wohl alles umsonst angewendet. Ich habe noch drei Kinder, die ich um dieses einen wegen nicht verkürzen kann, da mich derselbe schon mehr als zwei tausend Gulden gekostet hat. Ew. Wohlgeboren bitte ich daher recht sehr, daß Sie die Gewogenheit haben, H. Amente in meinem Namen Logis und Kost kündigen zu lassen, weil er sich monatliche Kündigung bedungen hat und dann gütigst zu bezahlen, daß mein Sohn in den ersten Tagen des künftigen Monats mit der Post hierher zurückgeht, Reisegeld bitte ich ihm nur so viel zu geben, als er zu höchsten Noth braucht, und da es sich nicht machen läßt, daß ich das Postgeld bei seiner Ankunft hier berichtige, so werden Ew. Wohlgeboren die Güte haben, es sogleich dort für ihn zu bezahlen und mir so wie alles übrige gefälligst in Rechnung zu bringen. Obgleich der böse Bube es nicht verdient, so werden Ew. Wohlgeboren doch die Gewogenheit haben, ihm ein leidliches Zeugniß über seine Leistungen auszustellen, was ich ihm aber nicht in die Hände zu geben sondern gütigst mit an mich zu schicken bitte.
Wenn Ew. Wohlgeboren mich auch so glücklich machen wollten, mir Ihren gütigen mündlichen Versprechen gemäß, nur ein kleines Blättchen Noten von Ew. Wohlgeb. handgeschrieben beizulegen, so würde ich es mit größtem Dank anerkennen.
Ew. Wohlgeboren sage ich für Ihre Güte und die viele Mühe die Sie sich wegen des bösen Jungen gegeben haben meinen innigsten Dank, bitte noch sehr gehorsamst, daß Sie mir meine abermalige Freiheit verzeihen mögen und bin mit der ausgezeichnetsten Hochachtung

Ew. Wohlgeboren
ganz ergebenster Diener
Carl. Mahr.

Hildburghausen
den 3. Februar 1842.

Autor(en): Mahr, Johann Christian Carl
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Amende, Georg
Grund, Eduard
Mahr, Johann Carl Sebastian
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Meiningen>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842020340

http://bit.ly/3LZ3EWU

Spohr



Dieser Brief ist zusammen mit dem Vorbrief Mahr an Spohr, 11.01.1842 die Antwort auf Spohrs derzeit verschollenen Brief vom 04.01.1842. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Mahr an Spohr, 25.03.1842.

[1] Recte: „v.M.“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.05.2022).