Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. hist. litt. 15[195,8
Druck: Peter Schmitz, „Ein rentables Geschäft? Zum Stellenwert von Oratorien in Verlagsprogrammen des 19. Jahrhunderts am Beispiel von Louis Spohr“, in: Die Oratorien Louis Spohrs. Kontext – Text – Musik, hrsg. v. Dominik Höink, Göttingen 2015, S. 131-150, hier S. 140 (teilweise)

Professor Taylor
Red Lion Court, Fleet Street
London.


Cassel den 19ten
August 1841.

Hochgeehrtester Freund,

Die Orchesterstimmen zum neuen Oratorium sind endlich fertig geworden und ich werde sie noch heute an die Herren Perthes und Besser nach Hamburg absenden1. Die Abschreiber waren für das Theater beschäftigt und konnten deshalb nicht früher fertig.werden; auch die Partitur haben sie noch nicht schreiben können, weil sie anderweitig in Anspruch genommen waren. Ich will deshalb aber die Stimmen nicht länger zurückbehalten, da Sie ja Orchesterproben allenfalls auch mit dem Clavierauszuge dirigiren können. Die Partitur soll jedenfalls noch in diesem Herbst nachfolgen. Ich berechne die Copialgebühren dafür sogleich mit, damit alles in einer Geldsendung abgemacht ist.

Meine Auslagen betragen:

Für die Partitur des Samson - 50 fl. C.M.

Postporto von Wien bis hierher - 2 Rth. 1 x
Sämtliche Orchesterstimmen - 68 Rth. 4 x
Die Partitur (die nachfolgen wird) 15 Rth. 3 x
Summa 85 Rth. 8 x

Diese beyden Summen von einem Banquier nach englischem Gelde berechnet, betragen 18 £ 3 Sch. dazu die 21, welche Sie von Herrn Moscheles2 erhalten haben 21 £ -
Summa: 39 £ 3 Sch.

Wollen Sie die Güte haben, diese; 39 £ 3 Sch. in Auftrag von mir und für Rechnung der Gebrüder Pfeiffer in Cassel, an N.M. von Rothschilds Söhne in London auszuzahlen und mir gelegentlich die Quittung zu senden.
Was die Herausgabe des neuen Oratoriums betrifft, so bleibt allso nun beschlossen, daß beyde Clavierauszuge, zu gleicher Zeit, und zwar nicht vor dem August des nächsten Jahres, erscheinen. Der Meinige wird blos den deutschen Text enthalten, jedoch wünscht der Verleger, mit dem ich vorläufig wegen der Bedingungen unterhandle, daß die Partitur meiner Ausgabe auch den englischen Text enthalte, damit davon allenfals auch Exemplare nach England verkauft werden können. Da Sie nur den Clavierauszug herausgeben und der Meinige keinen englischen Text enthalten wird, so würde dieß dem Absatze Ihrer Ausgabe keinen Nachtheil bringen. Sind Sie damit einverstanden, so bitte ich um gefällige Mittheilung des englischen Textes damit ich ihn meiner Partitur unterlegen kann. Sollte dieß an einigen Stellen besondere Schwierigkeit haben, so bitte ich die Noten beyzufügen, da der Text in meiner Partitur doch genau so unterlegt seyn muß wie in Ihrem Clavierauszuge.
Mein Wunsch, der ersten Aufführung des Oratoriums beym Musikfeste in Norwich beywohnen zu können, steht fest, jedoch wird es schwer halten, den Urlaub auszuwirken, und ich werde wohl, wenn die Zeit herankommt, Ihre gütige Mitwirkung dazu in Anspruch nehmen müssen.
Daß Ihnen mein kleiner englischer Ps[alm] gefallen hat und Sie gefunden haben, daß die Worte richtig betont seyen, hat mir große Freude gamacht. Meine Frau hat dabey das Hauptverdienst; ohne sie wäre ich nicht damit zu Stande gekommen.
Wenn Ihr liebenswürdiger Secretair3 etwa nicht in Ihrer Nähe ist, wenn Sie mir wieder schreiben, so schicken Sie mir nur das englische Original; meine Frau ist jetzt eine so firme Engländerin, daß sie mir alles völlig getreu übersetzen wird.
In dem Paquet, in der Violino 1mo finden Sie ein Paquet Briefe, die ich an die Adresse zu übergeben bitte.4
Die herzlichsten Grüße von allen Ihren hiesigen Freunden. Mit wahrer Freundschaft ganz der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Moscheles, Ignaz
Spohr, Marianne
Taylor, Meta
Erwähnte Kompositionen: Händel, Georg Friedrich : Samson
Spohr, Louis : Der Fall Babylons
Spohr, Louis : Psalm 128
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Norfolk and Norwich Triennial Festival
Perthes & Besser <Hamburg>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1841081904

http://bit.ly/2CrODLT

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Taylor, bis zum 25.06(?).1841. Taylor nächster Brief vom 11.09.1841 ist keine Antwort auf diesen Brief, den Taylor seinem Antwortbrief vom 23.09.1841
beantwortete, sondern eine Reaktion auf die in diesem Brief angekündigte und erhaltene Notensendung.

[1] Vgl. Spohr an die Buchhandlung Perthes & Besser, 20.08.1841.

[2] Vgl. Ignaz Moscheles an Spohr, 04.06.1841.

[3] Edward Taylor ließ zu dieser Zeit seine Briefe an Spohr durch seine Schwiegertochter Meta geb. Dochow ins Deutsche übersetzen (vgl. Taylor an Spohr, 03.11.1840).

[4] Diese Briefe sind derzeit verschollen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.12.2018).