Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Gotha den 7ten July

Wohlgeborner, Hochgeehrter Herr Hofkapellmeister

Schon vielfältig habe ich Gelegenheit gehabt, Ew. Wohlgeboren wohlwollend gütige Gesinnung gegen mich in Erfahrung zu bringen und finde mich daher hindurch ermuthigt, Ew. Wohlgeboren mit einer neuen ergebensten Bitte zu nahen.
Ich habe bereits eine bedeutende Anzahl musikal. Compositionen im Manuscripte liegen, zu demselben aber, obschon ich mich an Paul, André, und Andere gewendet habe, keinen Verleger finden können. Nur dadurch daß ein Mann, wie Ew. Wohlgeboren sich meiner annimmt, vermag ich mir einen solchen zu verschaffen, und bitte daher ganz gehorsamst mich irgend einem Verleger empfehlen zu wollen; indem ich hiezu bemerke, daß ich auch Arrangements aller Art billigst besorgen würde. p.p. Auf solche Weise würden Ew. Wohlgeboren einem jungen, in der Musikalischen Welt noch unbekannten Manne einen Gefallen erzeigen, den zu erwiedern er niemals im Stande sein kann, wofür er aber lebenslang sich zu Dank verpflichtet erachten würde. Zugleich wage ich ergebenst anzufragen, ob es wohl möglich wäre, daß eine von mir componirte Operette, der ein Text von Körner: der vierjährige Posten zu Grunde gelegt worden ist; in Cassel zur Aufführung gebracht werden könnte? Natürlich verlange ich dafür nicht das mindeste, sondern würde im Gegentheil Ew. Wohlgeboren abermals den wärmsten Dank abstatten. Die Operette ist bereits in den Stimmen ausgeschrieben und erfordert keine weitern Aufwand. Falles es durch Ew. Wohlgeboren gütige Fürsprache zu bemöglichen wäre, will ich mich beeilen. Ew. Wohlgeboren die Partitur alsbald zu gütiger Prüfung zu senden.
Zagend bitte ich um Entschuldigung, daß ich mich unterstand so vielfältig bittend Ihnen in den Weg getreten zu sein;
Indem ich mich und meinen Vater, Ew. Wohlgeboren innigsten Verehrer, dem ferneren Wohlwollen Ew. Wohlg. zu empfehlen nicht ermangeln, zeichne

mit besonderer Hochachtung
und Ew. Wohlgeboren
ergebenster Diener
Ernst Lampert.

Erwähnte Personen: Lampert, Johann Andreas
Erwähnte Kompositionen: Lampert, Ernst : Der vierjährige Posten
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: André <Offenbach>
Hoftheater <Kassel>
Paul <Dresden>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1839070744

http://bit.ly/2BHAwn4

Spohr



Der letzte belegte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Lampert, 10.12.1834. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lampert an Spohr, 28.02.1845.
Das Datum ist auf dem Autograf mit Bleistift um die Jahreszahl 1839 ergänzt. Für diese Datierung spricht, dass Lampert zum Zeitpunkt der Niederschrift offensichtlich die Komposition seiner Oper Der vierjährige Posten bereits beendet, aber noch nicht aufgeführt war (UA 1840, vgl. Das [Franz von Weiß], Herzogl. S. Hoftheater zu Coburg-Gotha. Am 1. Juni 1877, dem Tag des 50jährigen Bestehens, o.O. [1877], S. 53).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.06.2018).