Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Breslau d 15ten1 April 1839.

Während Sie jetzt, verehrtester Herr Kapell-Meister Ihren letzten Aufenthalt in Carlsbad und die aller meisten Leute die Sie dort sahen und hörten schon ganz vergessen, werden Sie es gewiß sehr natürlich finden, daß mir die wenigen Stunden die ich das Vergnügen hatte mit Ihnen dort zu leben2, noch jetzt recht lebendig vor Augen stehen. Daher erlauben Sie mir auch heute – zumal Sie an diesem Tage ja keine Bitte unerfüllt lassen können u dürfen – Ihnen zu beweisen, daß keine Ihrer, wenn auch nur hingeworfnen Äußerungen mir entschwunden, keine verloren gegangen ist.3 – Wäre mir doch die Freude, Ihnen verehrtester Herr Kapell-Meister heut mündlich meinen herzlichsten u innigsten Glückwunsch sagen zu können, u mich auch dabei mit eigenen Augen zu überzeugen, wie gut Ihnen Carlsbad bekommen ist (doch dieser Wunsch gehört bei mir zu den unerreichbaren.) – Möchten Sie den heutigen Tag u noch viele solcher Tage recht froh erleben. –
Gewiß werden Sie darin, daß ich mir heute erlaubt, mich in Ihr Gedächtniß zu rufen, nur den Beweiß finden; daß mit innigster Hochachtung Ihrer

Ihre
Ottilie Schubert.

P.S. Ohne dieses geht es nun einmal nicht – Meine Freundin Ulrike Friesner trägt mir die herzlichsten Empfehlungen an Sie, und die geehrten Ihrigen auf. –

Autor(en): Schubert, Ottilie
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Friesner, Ulrike
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Karlsbad
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1839040347

http://bit.ly/3PPkEAv

Spohr



Dieser Brief ist auf dem Autograf offensichtlich falsch datiert. Da er Glückwünsche zu Spohrs Geburtstag am 05.04.1839 übermittelt, dürfte er – einen Postweg von wenigstens zwei Tagen vorausgesetzt – spätestens am 03.04.1839 abgeschickt worden sein. Spohr bestätigte den Empfang des beigelegten Geschenks in seinem derzeit verschollenen Antwortbrief vom 15.04.1839 (vgl. Anm. 3).

[1] Zur Datierung vgl. die Einleitung des Kommentars.

[2] Ottilie Schubert studierte unter Anleitung Spohrs gemeinsam mit Adolph Hesse und dem Klarinettisten Adolph Seemann die Gesangspartie der Klarinettenlieder op. 103 ein (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 02. und 04.07.1838).

[3] Vermutlich lag diesem Brief ein „sehr schöne[r] Geldbeutel als Geburtstagsgeschenk“ bei (vgl. Spohr an Adolph Hesse, 15.04.1839).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.07.2022).