Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. 1.2 <18380828>

Breslau den 28ten August 1838

Lieber Herr Kapellmeister!

Sie werden sich sehr wundern, daß meinem vorigen Schreiben schon sobald ein zweites folgt, ich habe nämlich eine wichtige Bitte neulich vergessen. Schoen spielt nämlich Ihr schönes Concertino op. 79 a-dur (zu welchem Sie die Klavierbegleitung erst kürzlich machten und uns in Karlsbad mit dem Vortrage desselben beglückten) ganz vortrefflich in Ihrer Weise, und wird es auch nächstens, so wie das neue in e-dur öffentlich mit Orchester vortragen. Da wir nun oft in Privatzirkeln zusammen spielen, so wünschte ich sehnlichst die Klavierbegleitung zu dem in a zu besitzen, und bitte Sie ganz ergebenst, mir dieselbe, im Falle es nicht gegen Ihren Willen ist, so bald als möglich kopiren, und mit der Post auf meine Kosten nebst der Kopisten-Rechnung gütigst senden zu wollen. Es soll kein Mißbrauch damit geschehen, ich gebe die Begleitung nicht aus meinen Händen; wer es gut spielt kann sichs nur von mir begleiten lassen.
Sonst wüßte ich nichts zu melden. Heute habe ich die Reise-Sonate1 wieder tüchtig geübt.
Indem ich nochmals wünsche, daß Ihnen die Sprudelsuppe2 so gut wie mir die Erdbeeren mit Schmeten3 bekommen sein mögen, bin ich

Ihr ergebenster Verehrer
A. Hesse.

Herzliche Grüße an die lieben Ihrigen.

Erwähnte Personen: Schoen, Moritz
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Duos, Vl Kl, op. 96
Spohr, Louis : Konzerte, Vl Orch, op. 79
Spohr, Louis : Konzerte, Vl Orch, op. 92
Erwähnte Orte: Karlsbad
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838082801

http://bit.ly/1wdq6kq

Spohr



Dieser Brief schließt an Hesse an Spohr, 22.08.1838 an. Spohr beantwortete diesen Brief am 06.09.1838.

[1] Das Duo op. 96.

[2] „Man bereitet in Karlsbad, wie ich erwähnte, aus Sprudelwasser, Eiern u.s.w. eine schmackhafte Suppe, Sprudelsuppe genannt. Dieses Abendessen passt, um 7-8 Uhr genommen, besonders für jene Kurgäste, die phlegmatischen Temperaments, an hartnäckigen Stuhlverstopfungen leidend, hierin gleichsam ein treffliches Unterstützungsmittel finden, das die Gedärme langsam und gelinde zu ihren Funktionen vorbereitet.” (Leopold Fleckles, Karlsbad seine Gesundbrunnen und Mineralbäder in geschichtlicher, topographischer, naturhistorischer und medicinischer Hinsicht, Stuttgart 1838, S. 339).

[3] Sahne.

Kommentar und Verschlagwortung, sofern in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.12.2014).