Autograf: Biblioteca Civica Attilio Hortis Trieste - Archivio Diplomatico (I-TSci), Sign. U 2454

Sr. Wohlgeb.
Herrn Ferdinand Ries
Director des Cäcilien-
Vereins in
Frankfurt a/m

franco.1


Cassel den 14ten
Sept. 1837.

Geehrtester Freund,

Bey unserm verunglückten Musikfeste2 hatten wir die Absicht den Mendelsohnschen Paulus zu geben und Mendelsohn hatte mir dazu Partitur und Orchesterstimmen zu leihen versprochen.3 Da dieß Werk nun einmal einstudirt ist, so wünsche ich es zum Besten, unserer Wittwenkasse in den ersten Tagen des October zu geben, weiß nun aber nicht, woher ich die Orchesterstimmen bekommen soll, da Mendelsohn, so viel ich weiß, noch nicht aus England zurückgekehrt ist. - Nun höre ich, daß Sie es mit Ihrem Verein 2 mal mit Orchesterbegleitung aufgeführt haben4 und frage deshalb an, ob Sie wohl, in Berücksichtigung des wohlthätigen Zwecke die große Güte hätten, aus zu unserer Aufführung Partitur und Orchesterstimmen zu leihen? Daß alles wohl geschont(?) und im besten Stande sogleich nach der Aufführung zurückgeschickt werden würde, versteht sich von selbst.
Indem ich um eine bald gefällige Antwort bitte empfehle ich mich den lieben Ihrigen so wie Herr Speyer angelegentlichst. Mit herzlicher Freundschaft stets ganz

der Ihrige
Louis Spo[hr.]

Erwähnte Personen: Mendelssohn Bartholdy, Felix
Erwähnte Kompositionen: Mendelssohn Bartholdy, Felix : Paulus
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Cäcilienverein <Frankfurt am Main>
Cäcilienverein <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837091413

http://bit.ly/2Kspjvi

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Ries an Spohr, 24.02.1835. Ries beantwortete diesen Brief am 18.09.1837.

[1] Über dem Adressfeld von anderer Hand: „14 Sept 1837“.

[2] Spohr plante für Pfingsten 1837 ein Musikfest in Kassel, das die Regierung zu diesem Zeitpunkt jedoch aus religiösen Gründen nicht genehmigte (vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 175, Text mit fehlerhafter Pagnierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbst-Biographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 216).

[3] Vgl. Felix Mendelssohn Bartholdyan Spohr, 21.02.1837.

[4] Eine Aufführung im April 1837 dirigierte nicht Ries, sondern Ferdinand Hiller (vgl. Wilhelm Speyer an Spohr, 23.04.1837).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.04.2019).