Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Wohlgeb.
den Doctor und Capellmeister
Herr Spohr.
in
Caßel.

frey.1


Hochzuverehrender Herr Doctor und Capellmeister,
theuerster Freund!

Nachdem ich ihre gütige Zuschrift, nebst der Supsc. Anzeige erhalten hatte; verfehlte ich nicht, selbige durch Abschriften, an mehre Orte zu senden, um wo möglich recht viele Subscrib. zu sammeln. Von allen diesen ist bis jezt keine Unterzeichnung, oder Antwort, als beyliegende aus Gotha eingegangen. Wie Sie ersehn werden, nöthigt mich die schriftlich richtige Schlußfolge des Herrn Felsberg, Sie um 6 zahlbahre, nebst einem frey Ex. zu bitten. Sollten noch ferner Unterzeichnungen eingehn: so werde ich solche Ihnen unverzüglich einsenden.
Meines Bruders Sohn2, welcher zwey Jahre bey mir war, wünscht, wo möglich diesen Sommer ihrer Unterweisung im Violinspiel theilhaft zu werden. Diese Bitte, wird mein Bruder3 nächstens an Sie einreichen, welcher ich meine Bitte hinzufühge, und Sie auf’s Herzlichste, um ein gütiges ja ersuche. Mein Vetter spielt ziemlich gut; auch hat er schon mehre Concertsachen für Geige geschrieben; bedarf daher nur im Spiel die höhere Ausbildung. Er war früher im Frankfurterochester angestellt, mußte jedoch wegen heftiger nerven Krämpfe diesen Dienst verlaßen, und war nun seit zwey Jahren bey seinem Vater.
Ihre letzte, herrliche Sinfonie4: so wie das letzte Doppelquartet, haben mich ganz außerordentlich erfreut. Wie ist es möglich, daß es Menschen, selbst Musiker giebt, die, das Große, das Hohe, das Edele, das Schöne, weder empfinden noch begreifen können. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, von jeden Laien kann man diese Empfindungen nicht fodern, der Musiker aber muß es anerkennen müßen, und fühlen, oder er ist ein unsinnlicher Tagelöhner.
Die herzlichsten Grüße an Sie, und die liebe Familie, von meiner Schwester. Die Vorsehung verleihe Ihnen stetes Wohl und Gesundheit, dies wünscht, der mit wahrer Verehrung und größter Hochachtung sich nennt

Ihr
aufrichtig ergebenster Freund
W. Bärwolf.

Meiningen d 7t July 1835.

Autor(en): Bärwolf, Johann Christian Wilhelm
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Bärwolf, August
Bärwolf, Johann Ludwig Wilhelm
Felsberg, Justinus
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Doppelquartette, op. 87
Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Spohr, Louis : Die Weihe der Töne
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Stadttheater <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835070744

http://bit.ly/32Nalrh

Spohr



Dieser Brief ist die Antwot auf Spohrs Subskriptionsaufruf zu seinem Oratorium Des Heilands letzte Stunden, dessen an Bärwolf gerichtetes Exemplar derzeit verschollen ist. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Bärwolf an Spohr, 09.11.1835.

[1] Rechts oben auf dem Adressfeld befindet sich der Poststempel: „MEININGEN / 18 JUL 183[5}“.

[2] Johann Ludwig Wilhelm Bärwolf.

[3] August Bärwolf.

[4] Die Weihe der Töne.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.07.2020).