Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Herrn Louis Spohr in Cassel
Bonn den 19ten Juny 1833.

In ergebenster Beantwortung Ihrer mir sehr schätzbaren Zuschrift v. 2ten April muss ich vor allem um Entschuldigung bitten, daß ich erst jetzt, nach mehr als 2 Monaten zu dessen Beantwortung schreite. Ich hatte nämlich darauf gerechnet den Stich des Doppelquartetts früher zu beendigen und mir vorgenommen, vor Beginn des Drucks Ihnen einen corrigirten Abdruck mit der bitte zu senden, eine letzte Correktur davon übernehmen zu wollen, glaubend daß Ihnen das angenehm seyn würde. Leider aber erkrankte derjenige meiner Stecher dem ich den Stich des Doppelquartetts anvertrauen wollte u. blieb während fast 6 Wochen arbeitsunfähig.
Indem ich Ihnen nun beikommend 4 Ex. Der Partitur und 1 Ex. der Singstimmen Ihrer Psalmen Op. 85 No. 1.2.3. einsende, füge ich auch den corrigirten Abdruck des Doppelquartetts bei, mit der bitte mir recht bald zu sagen ob Sie die Güte haben wollen, sich einer letzten Correktur zu unterziehen. Im andern Fall würde ich es gleich dem Druck übergeben, überzeugt daß die Correktur hier mit Fleiß und Aufmerksamkeit gemacht worden.
Was Sie mir als Antwort auf meinen Ihnen geäußerten Wunsch in betreff eines Vertrages sagen, leuchtet mir recht wohl ein und begnüge ich mich darum gern mit Ihrem mir gütigst gegebenen Versprechen, mich stets von allen Ihren neuen Arbeiten in Kenntniss zu setzen, auf dessen Erfüllung ich mit Zuversicht rechnen darf.
Es wäre mir angenehm wenn ich mir hinsichtlich des Arrangements des Doppel-Quartetts Ihren guten Rath ausbitten dürfte. Ihre ersten beiden sind als Quintett für Pianoforte, mit 2 Viol. Alt u. Vlleund ausserdem als Duo à 4 mains arrangirt.1 Halten Sie diese Formen für die zweckmässigsten und vielleicht für die allein zweckmässigen, und wem könnte man diese Arrangements wohl anvertrauen? Sollte Ihr Schüler H. Otto Gerke wohl die Fähigkeit dazu besitzen? Sonst hätte ich auch Gelegenheit sie durch H. Carl Czerny oder H. X. Gleichauf in Ffurt a/M machen zu lassen.
Zur Gleichstellung meiner Schuld für's Doppelquartett sende ich Ihnen hiereinliegend:
Thlr. 75.- und
Thlr. 125.- Pr. Ct. p. Wechsel auf H. Verhufen in Ffurt a/M, auf Sicht zahlbar
die Sie gefälligst einziehen und mir gutschreiben wollen. – Ihren baldgefälligen Nachrichten entgegensehend, zeichne ich mit Hochachtung und Ergebenheit
N. Simrock

Erwähnte Personen: Czerny, Carl
Gerke, Otto
Gleichauf, Franz Xaver
Verhufen (Frankfurt am Main)
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Doppelquartette, op. 65
Spohr, Louis : Doppelquartette, op. 77
Spohr, Louis : Doppelquartette, op. 87
Spohr, Louis : Psalmen, op. 85
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833061951

http://bit.ly/1RluTLQ

Spohr



Der Autor bezieht sich zwar auf den Brief vom 02.04.1833, geht inhaltlich aber nicht auf diesen Brief ein, sondern beantwortet den Brief vom 09.03.1833. Spohr antwortete am 14.08.1833.

[1] Sowohl op. 65 als auch op. 77 erschienen jeweils gleichzeitig mit der Originalausgabe als Bearbeitungen für die genannten Besetzungen von Ferdinand Spohr.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (02.12.2015).