Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hannover den 2 May 1833.

Mein verehrter Freund!

Sie haben mir einen großen Beweis Ihrer Freundschaft gegeben durch die Art wie Sie eine neuliche mir so wichtige Bitte zu erfüllen so gütig gewesen sind, und ich sage Ihnen den aller Herzlichsten Dank dafür. Ihr lieber Brief vom 27. v. M. hat mir eine sehr große Beruhigung gewährt und hat mich bestimmt, meinen Sohn sofrt die Einwilligung zur Veränderung seines LebensPlanes zu ertheilen. Der Himmel gebe nun seinen Segen und verleihe ihm Kraft und Muth ein tüchtiger Künstler zu werden, damit er sich selbst in seinem neuen Berufe genügen könne denn einladend sind die Zeiten für die Kunst warlich nicht –.
Für Ihren gütigen Rath wegen der Einrichtung seines StudienPlans bin ich Ihnen sehr verbunden und freue mich sehr daß Sie Hasemanns Unterricht noch für ein Jahr wenigstens genügend halten. Daß er späterhin zu einem großen Virtuos seines Instruments muß, ist ganz meine Meinung, doch würde ich Bohrer den Vorzug geben, der alte Romberg den ich diesen Winter mehrere male wieder gehört habe fängt doch an gar zu tändelnd zu werden.
Ich habe Ihrer Ansicht gemäß gleich an Georg geschrieben, damit er sich häuslich und ordentlich dort auf ein Jahr einrichte und Sie, verehrter Freund, können mir keinen größeren Dienst erweisen, als wenn Sie Ihr gütiges Erbieten in Erfüllung bringen, seine Studien beobachten und mir ab und an etwas darüber wißen laßen wollen –. Für einen Tourte werde ich sobald als möglich sorgen denn ich fühle ganz, wie gute Hülfsmittel so höchst wesentlich für die Ausbildung eines Künstlers sind, und spare nie wenn es die Erziehung meiner lieben Kinder betrifft –
Nach frühern Proben darf ich hoffen daß mein Sohn nicht ganz an Talent für die Composition entblößt seyn wird und wünsche mir sehr daß Hauptmanns Gesundheit ihm gestatten möge sich dem Unterrichte desselben zu widmen – Einen guten ClavierLehrer haben Sie vielleicht die Güte ihm zu empfehlen, der ich mit dem dortigen Personale nicht bekannt bin. Es bleibt immer ein großer Schritt in den Jahren meines Sohne mit dem Berufe zu wechseln, ist indeß die Musik wirklich der seinige so muß ich es für ein Glück halten daß er auch dazu gelangt, denn nichts ist in meinen Augen trauriger als spätere Unzufriedenheit und so will ich denn das beste hoffen –!– Meine Frau dankt Ihnen auf das allerherzlichste mit mir, daß sie sich etwas Sorgen macht können Sie denken.
Ich bin gestern Abend von Braunschweig zurückgekommen wo ich meine Tochter, die 3 Monath in Berlin war, in Empfang genommen habe, deshalb konnte ich Ihnen nicht früher antworten, dort habe ich gehört daß Sie im Juny zum Musikfest nach Halberstadt kommen werden, ist es mir irgend möglich so werde suchen früher dorthin zu kommen –.
Wegen des Haartuches bin ich auch deß Äußerst beschämt, oft genug habe ich daran erinnert und bin immer vertröstet, der Aufenthalt bey denen: daß unter den verschiedenen Breiten welche waren, welche in der Regel nicht genommen und die der Fabrikant nur bey Gelegenheit mitmachen lassen wollte. Jetzt habe ich den Ausweg genommen nur Zeug verschiedener Breiten zu verlangen mit denen, wie mir auch der Tapezir versichert, auch die Meublen nach den von Ihnen gesandten Dimensionen überzogen werden können. Dieser Fall ich nur bestimmt nächste Woche erhalten und werde dann nicht verfehlen es Ihnen sofort zu übersenden.
Ihrer verehrten Frau Gemahlin meine angelegentlichste Verehrung. Leben Sie wohl, herzlichsten Dank nochmals, mit innigster Verehrung stets der

Ihrige
B. Hausmann

Autor(en): Hausmann, Bernhard
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Bohrer, Anton
Hasemann, Nicolaus
Hauptmann, Moritz
Hausmann, Auguste
Hausmann, Georg
Romberg, Bernhard
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Berlin
Braunschweig
Halberstadt
Kassel
Erwähnte Institutionen: Elbe-Musikfeste <wechselnde Orte>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833050247

http://bit.ly/3auwygd

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Hausmann, 27.04.1833. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hausmann an Spohr, 30.05.1833.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.10.2021).