Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Wien am 16ten April 1832

Verehrtester Herr und Freund!

Das beiliegende Circular1 entschuldigt wol einigermaßen die Verzögerung, welche die späte Verfertigung und das Absenden des von Ihnen bestellten PatentPiano zweiter Art2 verursachte, und läßt uns hoffen,daß Sie nicht als eine Nachläßigkeit auslegen werden, was nur die Folge einer zweimonatlichen Störung war. Ihnen noch das nähere darüber zu sagen, würde meinen Schmerz neuerdings aufregen. Da Sie die seltene Frau selbst gekannt, so können sie umso leichter ermessen, wie schreklich uns dieser Verlust war.
Seit zwei Monaten ist nun das Geschäft, welches ich, samt allem, meinem Sohn gänzlich überlassen habe, wieder in vollem, lebhaften Gange; und nachdem die noch viel frühern Bestellungen zum Theil befriediget waren, ist Ihnen der Vorzug vor andern gegeben, und ein PatPf. zweiter Art, auf welches drei Liebhaber in Ihrer Nähe schon lange warten, an Herrn Bansa et Sohn mit der Weisung abgesendet worden, solches an Ihre Adresse alsogleich zu befördern.
Sollte aber derjenige für welchen Sie die Güte hatten diese Bestellung zu machen, nicht mehr Willens seyn, dieses Instrument in Empfang zu nehmen, so haben Sie nur die Gefälligkeit an Hr. Bansa et Sohn die Nachricht zu geben, daß sie dieses Piano nicht nach Cassel, sondern Hr. H. Kehrmann in Coblenz abschicken, oder nach unserer Ordre an Hr. J.A. André, oder Herrn Schnyder von Wartensee abgehen sollen.
Es wäre zwar zu bedauern, wenn dieses Instrument nicht in Ihre Nähe käme, indem es in der That vortreflich ist, und in dem öffentlichen Concert welches am 13ten d. im Kärntnerthor Theater gegeben worden, allgemeines Aufsehen erregt hat.
Wie sehr leid uns selbst diese ungewöhnliche Verspätung ist, glauben wir nicht erst versichern zu dürfen. Daß Ihrer künstlerischen Thätigkeit wieder ein neuer Wirkungskreis eröffnet ist, dazu wünsche ich von ganzem Herzen Glück. Mit der Bitte mich Ihrer Frau Gemahlin und übrigen Familie bestens empfehlen zu wollen, beharrt mit unveränderlicher Hochachtung


Ihr ergebenster
A. Streicher

Autor(en): Streicher
Streicher, Andreas
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: André, Johann Anton
Kehrmann, Heinrich
Schnyder von Wartensee, Franz Xaver
Streicher, Johann Baptist
Streicher, Nanette
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833041847

http://bit.ly/2ZJxXeL

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Johann Baptist Streicher an Spohr, 06.02.1833. Spohr beantwortete diesen Brief am 05.06.1833 an Johann Baptist Streicher.

[1] Vermutlich die Todesanzeige für Nanette Streicher.

[2] Vgl. Andreas Streicher an Spohr, 17.12.1831.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Uta Goebl-Streicher (28.05.2020).