Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Mein verehrter Freund!

Sie haben mir in meinem Leben schon zu viele Beweise der Freundschaft gegeben als daß ich nicht hoffe dürfte Sie nehmen es nachsichtsvoll auf wenn ich mir in einer sehr ernsten Angelegenheit Ihren Rath erbitte –.
Mein lieber Sohn Georg schreibt mir nämlich heute von dort, er fühle eine so unwiderstehlichen Trieb zur Tonkunst daß er mich dringen bäte ihm zu gestatten seinen LebenPlan zu ändern und sich der Tonkunst ganz widmen zu dürfen –. Georg ist mit sehr glücklichen Angelegenheiten für die Wissenschaften begabt, hat viel und mit Leichtigkeit gelernt und verspricht als Gelehrter – zu einem praktischen Fach hatte er nie Neigung – ein tüchtiger Mensch zu werden. Ich suchte nebenbey sein Musikalische Talent so viel als möglich auszubilden damit er, so wie ich, von der Musik eine liebe treue Freundin durch das ganze Leben hätte. – Anfangs interessirten ihn die Wissenschaften in Göttingen sehr, aber der Beyfall den seine Musikalischen Leistungen dort fanden, scheint ihn von den Wissenschaften abgezogen und der Kunst ganz zugewandt zu haben.
Ich halte es nun zwar für eine Gewissenssache eines meiner Kinder nie ein Lebensfach hinein zu zwingen für welches er die Bestimmung nicht in sich fühlt, von der andern Seite kann ich mich der großen Sorgen1 nicht wehren ob Georg als Tonkünstler wirklich das wahre Glück seines Lebens finden wird? Er ist schon 19 Jahr alt, hat sehr viel Zeit für die Kunst verloren; hat er wirklich so überwiegende Anlage daß er noch ein ausgezeichneter Künstler werden kann, denn in nichts ist Mittelmäßigkeit wol so verderblich als in der Tonkunst. Georg hat nun schon so lange mit Hasemann gespielt: daß dieser sein Talent wird beurtheilen können und Sie haben bey Ihrer vielen Güte gegen ihn ja auch vielleicht ihn zu beobachten Gelegenheit gehabt –. Haben Sie die Güte sich bey Hasemann zu erkundigen und mir dann ganz offen Ihre Meynung zu schreiben, ohne mich irgend zu schonen –
Sie wissen wie unendlich ich die Kunst liebe, doch halte ich den Stand des Künstlers für sehr schwierig und nur selten – auf jeden Fall nur bey einer selten hohen Vollendung – für vollkommen befriedigend und wahrhaft glücklich –
Sie sind verehrter Freund ein zu liebevoller Vater als daß ich nicht hoffen dürfte Sie verzeihen die Mühe die ich Ihnen verursache. – Ihrer lieben Frau sind wir sehr dankbar für die so gütige Besorgung des GeburtstagsKuchens –. Machen Sie ihr doch unsre besten Empfehlungen.
Mit der wärmsten Verehrung empfehle ich mich Ihnen angelegentlichst

gehorsamst
B. Hausmann

Hannover 16 April 1833.

Ich habe kürzlich sehr schöne Saiten aus Italien erhalten wollen Sie mir Proben Ihrer Stärken senden so kann ich Ihnen vielleicht etwas paßliches schicken.

Autor(en): Hausmann, Bernhard
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Hasemann, Nicolaus
Hausmann, Georg
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Göttingen
Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833041647

http://bit.ly/3BBOH7E

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Hausmann, 12.03.1833. Spohrs Antwortbrief vom 27.04.1833 ist derzeit verschollen.

[1] „Sorgen“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.10.2021).