Autograf: Österreichische Nationalbibliothek Wien (A-Wn), Sign. Autogr. 126/76-4 Han
Druck 1: Horst Heussner, Die Symphonien Ludwig Spohrs, Phil. Diss. Marburg 1956, Anhang, S. 31 (teilweise)
Druck 2: Herfried Homburg, „Politische Äußerungen Louis Spohrs. Ein Beitrag zur Opposition Kasseler Künstler während der kurhessischen Verfassungskämpfe“, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 75/76 (1964/65), S. 545-568, hier S. 556f. (teilweise)
Druck 3: Alexander Langer und Peter Donhauser, Streicher. Drei Generationen Klavierbau in Wien, Köln 2014, S. 363 (teilweise)

Sr. Wohlgeb.
Herrn Andreas Streicher
Landstraße, Ungergasse
Nro 371 in
Wien.

frei Schleiz(?)1


Cassel den 29sten
December 1831.

Geehrtester Herr und Freund,

Da die Pianoforte der neuen Erfindung noch nicht so bald versandt werden können, ersuche ich Sie mir so bald wie möglich ein Patent-Pianoforte in Nußbaum (6½ Octaven) Nro 2 des Preiscouvert) zu überschicken und verlasse mich, in Hinsicht der Auswahl, ganz auf Ihre freundschaftlichen Gesinnungen. Haben Sie die Güte mir den Abgang des Instruments zu melden und gefälligst zu bestimmen, auf welche Weise ich Ihnen das Geld übermachen soll.
Unser Theater, einst, wo nicht das beste, doch eins der besten in ganz Deutschland, wird nun doch, nachdem wir einmal seine Auflösung, gleich nach unserer glorreichen Revolution, hintertrieben hatten, mit nächsten Ostern, wenigstens vor der Hand aufhören und dadurch eine bedeutende Anzahl von Menschen brodlos werden. Uns Rescribirten, auf Lebenszeit Angestellten, kann jedoch nichts genommen werden, da in einem constitutionellen Staate die Anstellungsdecrete nicht durch Machtspruch vernichtet werden können, wie dieß der Kurfürst zu seinem Verdruß erfahren hat.2 Bey alle dem daueret es mich sehr, ein so wohl organisirtes Institut so ganz zerfallen zu sehen und es kann mich nur das einigermaßen trösten, daß ich nun nächsten Sommer Muße haben werde eine etwas weitere Ausflucht wie bisher zu machen. Zuerst werde ich mit meiner Frau wieder Marienbad besuchen und dann nach vollendeter Kur wo möglich einen Abstecher nach Wien machen, wohin ich mich schon lange gesehnt habe.3
Daß die beyden Mädchen4, die wir in Wien hatten, beyde hier verheirathet [sind und] uns schon mit 3 Enkeln beschenk[t haben] werden Sie wohl schon wissen. Eine [3te] Tochter5, eine Frankfurterin wird dieses Jahr confirmirt. Diese spielt Clavier und singt und verspricht eine schöne Stimme zu bekommen.
Meine Frau grüßt auf das herzlichste. Mit wahrer Hochachtung und Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Spohr, Therese
Wolff, Ida
Zahn, Emilie
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Marienbad
Wien
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1831122917

http://bit.ly/3fLLQyu

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Streicher an Spohr, 17.12.1831. Streicher beantwortete diesen Brief am 07.01.1832.

[1] Rechts oben neben dem Adressfeld befinden sich von anderer Hand Empfangs- und Antwortvermerk der Werkstatt: „Louis Spohr / Cassel den 29 Decbr. 1831 / empf 3 Jan. / beantw. 7 " 832 / 1.“

[2] In seinem Brief an Friedrich Schneider, 12.05.1832 erwähnt Spohr, dass drei nicht rescribierte Kapellmitglieder entlassen wurden.

[3] Da dieses Jahr in Böhmen die Cholera ausbrach, musste Spohr die Reise wieder verschieben (vgl. Spohr an Kurprinz Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel, zwischen Mitte Mai und Anfang Juni 1832; Spohr an Jan Nepomuk Štěpánek, 30.11.1832; Cholera-Archiv mit Benutzung amtlicher Quellen, hrsg. v. J[ohann] C[hristoph] Alberts u.a., Bd. 3, Berlin 1833, S. 399-403).

[4] Emilie Zahn und Ida Wolff.

[5] Therese Spohr.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.05.2020).