Autograf: Autograf: Staatsbibliothek Berlin Preußischer Kulturbesitz – Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr-Correspondenz 1,54

Sr. Wohlgeborn
Herrn Louis Spohr
Doktor der Tonkunst u. Hof-Kapellmeister
in
Cassel


Wien, den 20. Dezember 1831.

Herrn Hofkapellmeister Louis Spohr in Cassel.

Euer Wohlgeborn!
Hochzuverehrender Herr Hofkapellmeister!

Ihr gütiges Schreiben v. 8 d. M. hat mich ungemein erfreulich überrascht, und ich versäume keinen Augenblick, es zu beantworten.
Vorerst bezeige ich Euer Wohlgeborn meinen frohen Antheil an dem für die Kunstwelt so sehr interessanten Umstand der Vollendung Ihrer Violinschule. Äußerst angenehm bleibt es mir, selbe in Verlag zu erhalten, wobey ich insonderheit dafür danke, daß Sie mir schmeichelhafter Weise den Vorzug zu geben belieben.
Euer Wohlgeborn geneigte Bedingung rücksichtlich des Honorars v. T. 2000,- preuß. Cour. habe ich die Ehre, der Summe nach allerdings einzugehen, doch mit der, in dem, dem Musikhandel so ungünstigen Zeitverhältnisse gegründeten Modification dem Vereine, daß ich diese Summe von T 2000,- binnen eines Jahres, von der Ostermesse 1832. angefangen, alljährlich T 500,- berichtige.
Die letzte Art unseres zu machenden Vertrags würde Sie auch über den weitern Erfolg meiner Zahlungen sicher stellen.
Ich würde übrigens wohl ohne Anstand Ihrer Voraussetzung der Honorar-Vereins eingehen, wäre nicht der Fall, daß, außer den oben berührten schlechten Zeitumständen, ich noch durch die polnischen Unruhen grosse Baarverluste(?) und sonstige bedeutende Beschädigungen erlitten, und die Zahlungen der Buch- u. Musikhändler äußerst unverläßlich eingehen, wie ich z.B. noch Pränummerations-Gulden der Hummel'schen Schule ausstehen habe.
Die vortheilhafte Ansicht, welche Euer Wohlgeborn von der technischen Ausstattung und Correktheit meiner Verlags-Artikel haben, erheischt meine besondere Anerkennung. Ich bemerke in dieser Hinsicht, daß Ihrer Schule noch weit eleganter und besser ausgestattet werden würde, als die Hummel'sche, weil diese letztere in größter Eile hat erzeugt werden müssen, in einer für Druckarbeiten sehr unvortheilhaften Jahreszeit. Das Händelsche Oratorium: Jephta, in Partitur, im Klav. Auszug – auch die neun Ausgaben von Beethovens Sinfonien mögen Euer Wohlgeborn in dieser Beziehung darthun, daß ich nicht unbedeutend vorgeschritten, ja ich glaube, Ihre Schule würde an Geschmack und Eleganz diese beyden noch überbiethen, so, daß die Ausstattung derselben vielleicht alle seitherigen Werke dieser Art überflügeln dürfte.
In Bezug auf Anwendung zur Erlangung von Privilegien würden wir uns dann wohl besonders verständigen, sind wir nun einmal in der Hauptsache einig.
Ich erlaube mir, nicht zu zweifeln, daß Euer Wohlgeborn meine obigen Vorschläge annehmbar finden, und freue mich auf das lebhafteste, meinen Verlag mit einem solchen Ehren-Artikel schmücken zu können. Ich bitte nun, daß Euer Wohlgeborn gefalle, mich von Ihrem gütigen Entschluß in Kenntniß zu setzen, und indem ich mich Ihnen, mit wiederholtem Danke für Ihre gefälligen Gesinnungen höflichst empfehle, habe ich die Ehre, mit vollster Hochachtung und Ergebenheit zu seyn

Euer Wohlgeborn
ergebenster Diener u. Verehrer
Tobias Haslinger.



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Haslinger, 08.12.1831. Spohr beantwortete diesen Brief am 04.01.1832.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.03.2017).