Autograf: ehemals Archiv der Königlichen Schauspiele in Berlin, nach Horst Heussner, Die Symphonien Ludwig Spohrs, Phil. Diss. Marburg 1956, S. 35, Anm. 3 im Zweiten Weltkrieg zerstört
Druck: Wilhelm Altmann, „Spohrs Beziehungen zur Generalintendantur der Königl. Schauspiele zu Berlin”, in: Neue Zeitschrift für Musik 100 (1904), S. 199-202, hier S. 200f. (teilweise)

Gnädiger Herr Graf.

Ew. Excellenz verehrte Zuschrift hat mich im höchsten Grade überrascht. Nie hätte ich mir eingebildet, dass man in Deutschland, wo Stücke wie die „Galeerensclaven”, der „Vampyr” und dergl. auf Bühnen gegeben werden, den Inhalt meiner neuen Oper verletztend für das sittliche Gefühl finden würde, obgleich ich darauf gefasst war, dass der kirchliche Apparat in den katholischen Ländern einigen Anstoss geben würde.1 Auch hatte ich hier, wo man sich bei anderen Gelegenheiten sehr difficil zeigt, bei keiner der Aufführungen dergleichen bemerkt. Man fand die Oper zwar ergreifend und anspannend, mehr wie man es bei Opern gewohnt ist, aber nicht peinigend und verletztend.2 Ich muss daher glauben, wie Ew. Excellenz es auch anzudeuten die Gnade haben, dass bei dem dortigen Hoftheater besondere Verhältnisse der Aufführung entgegentreten. So traurig dies nun auch für mich ist, indem durch die Nichtannahme bei der königlichen Bühne das Schicksal der Oper bis dahin entschieden ist, dass sie nun nirgends gegeben werden wird, so ist es doch ganz unmöglich, das Buch so umzuarbeiten, dass das, was man dort verletztend findet, herauskommen könnte. Ich muss mich darin ergeben, wieder viel geistige Kräfte und Zeit auf ein Werk verwandt zu haben, welches ungekannt im Pulte ruhen wird, während die seichtesten Produkte des Auslandes mit Leichtigkeit den Weg auf alle deutschen Bühnen finden. ...

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Lannoy, Eduard von : Die beiden Galeerensklaven
Marschner, Heinrich : Der Vampyr
Spohr, Louis : Pietro von Abano
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1828021014

http://bit.ly/2g8O2Wh

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Brühl an Spohr, 30.01.1828. Der nächste überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Brühl, 09.03.1828.

[1] Vgl, Spohr an Wilhelm Speyer, 14.11.1827.

[2] In seinem Brief an Wilhelm Speyer, 29.10.1827 gibt Spohr zu: „die Frauen finden aber mehrere Scenen zu gräßlich!”.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.11.2016).