Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C.F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 173f.

Cassel den 1sten May
26.1

Geliebter Freund,

Ich habe Ihren Brief mit Fleis 8 Tage liegen lassen, bevor ich ihn beantworte; denn wenn ich im ersten Aerger über den Inhalt mich zum Schreiben niedergesezt hätte, so würde ich vielleicht in einen ähnlichen Ton, wie Sie, verfallen seyn.
Was für eine üble Laune hat Ihnen ein solches Schreiben an mich dictiren können?! Hab' ich Sie je im Honorar überfordert, habe ich je 10 tausend oder auch nur 10 Hundert für ein Werk verlangt? Haben Sie nicht selbst schon mir mehr Honorar gegeben, als ich verlangt habe?
Habe ich Ihnen beym Berggeist gleich anfangs einen starken Absatz garantirt? Verlange ich, daß Sie mir melden, wenn ein's meiner Werke gut geht? Nun, wenn nicht, so verschonen Sie mich mit Ihren Klagen, wenn Sie unzufrieden mit dem Absatz sind. Was übrigens den Berggeist anbetrifft, so hat es mit dieser Oper keine Noth, sie muß nur erst bekannt werden. In dem Ma[ße,] wie sich meine Opern nach und nach auf den deutschen Theatern verbreiten, wird der Absatz der Clavierauszüge auch zunehmen. In diesem Augenblick wird in Stuttgart2 und Hamburg die Jessonda, in München3, Hannover4 und Braunschweig der Faust einstudirt; später kommt dann in München und Dresden der Berggeist daran; das wird Ihnen wieder manchen Clavierauszug dieser Opern verkauft machen und Sie werden mir schon noch einmal eingestehen müssen, daß meine Opern Ihre besten und was die Hauptsache ist, dauernsten Verlagsartikel sind. Übrigens wiederhole ich hier nochmal was ich schon oft gesagt habe, daß ich meine Kunst viel zu sehr hochachte, um nach dem Beyfall des Janhagels zu streben und daß ich, wenn ich mich zu einem neuen Werke niedersetze, weder an mich, noch an den Verlag denke, sondern nur das Bestreben habe, ein Werk zu schaffen, was mir und der Kunst Ehre bringen könne. Da ich nun von dieser Ansicht niemals abgehen werde, so erwarte ich, daß mich jeder mit Versuchen, mich eines andern zu belehren, verschonen werde.
Sie schreiben mir, daß Sie der Ehre, gute Verlagsartikel zu haben, nicht länger Opfer bringen und sich in's künftige, wie andere Verleger vorzugsweise an Schofel halten wollen. Dies macht es eigentlich unnöthig, daß ich Ihnen, wie Sie's verlangen, von meinen neuen Arbeiten schreibe; um indessen Ihrem Verlangen zu genügen, so melde ich Ihnen, daß ich im Herbst einen Clavierauszug meines neuen Oratoriums „Die letzten Dinge“ nach Worten der Heiligen Schrift von Rochlitz herauszugeben gedenke und dass ich soeben ein neues Quintett für 2 Violinen, 2 Violen und Violoncell beendigt habe. Das Oratorium ist hier am Charfreitage zum ersten mal aufgeführt worden und wird diesen Sommer noch 2 große Aufführungen unter meiner Direktion erleben, die erste am Pfingsttage in Düsseldorf vom Niederrheinischen Musikverein, die 2te im September in Nordhausen, wo dieses Jahr sich der Elb-Verein versammelt. Lieg[t] Ihnen daran, etwas näheres über dieses Werk zu erfahren, so wenden Sie sich gefälligst an Herrn Hofrath Rochlitz, der der Dichter des Textes ist und Ihnen die genaueste Auskunft geben kann.
Auch ich schreibe diesen Brief mit dem Motto: nichts für ungut! und bleibe wie bisher Ihr

Sie
liebender Freund
L. Spohr.

Die Einlage5 bitte ich baldgefälligst besorgen zu lassen.



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Peters an Spohr. Peters beantwortete diesen Brief am 05.05.1826.

[1] Auf dieser ersten Seite des Briefs befinden sich von anderer Hand noch Empfangs- und Antwortvermerk des Verlags: „1826 / 1 May / 5 '' / 5 '' / Cassel / Spohr“.

[2] Vgl. Peter von Lindpaintner an Spohr, 06.06.1826.

[3] Vgl. „München, im Julius 1826”, in: Abend-Zeitung (1826), S. 788, 792 und 796, hier S. 796.

[4] Vgl. Spohr an Wilhelm Speyer, 06.07.1826.

[5] Noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (02.03.2017).