Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.4 <RiesH 18250704>

Sr. Wohlgeb.
Herrn H. Ries
Königl. Preußischem Kammermu-
sikus in
Berlin.

franco.


Cassel den 4ten Juli 25.

Lieber Herr Ries,

Empfangen Sie meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Anstellung, mit der mich Ihr Herr Vater1 bekanntgemacht hat. Sie können froh seyn, daß die Sache vor Spontini‘s Abreise zu Stande gekommen ist, denn sonst würden Möser und andere sie wohl noch zu verzögern gewußt haben.
Ihr Bruder2 hat mir in Ihrem Namen ein mir3 sehr werthes Andenken an Godesberg übergeben für das ich Ihnen herzlichst danke. Es wird mir stets angenehme Rückerinnerung an Sie und den freundlichen Ort Ihrer Kindheit erwecken.
Von Ihrem Bruder weiß ich ferner, daß Sie im Herbst zu einem herrlichen Familienfeste nach Godesberg reisen werden.4 Ich hoffe, Sie werden Ihren Weg über Cassel nehmen und uns wird5 das Vergnügen zu Theil werden, Sie zu sehen. Ihren würdigen Herrn Vater fanden wir wohl und munter; nicht so Ihre Schwägerin6, die sehr leidend schien. Ihr Bruder gedenkt recht bald zu ihrer Erheiterung eine Reise zu machen und hat uns dann auch einen Besuch in Cassel versprochen.
Herrn Mühlenbruck grüßen Sie herzlich von mir und danken Sie ihm in meinem Namen recht sehr für seine Nachrichten über Aufführung des Jessonda so wie für gütige Mittheilung seiner Kompositionen.7
Ich habe bey meiner Rückkehr einen solchen Stoß Geschäftsbriefe vorgefunden, daß ich nicht weiß wo ich anfangen soll. Dazu kommt der Wiederanfang der Theatergeschäfte und des Unterrichtsgebens; so, daß die jetzige Zeit mit der, der Rheinreise im gewaltigen Contrast steht. - Sollten Sie nach Haus schreiben so größen Sie alle die Ihrigen [herzlich v]on uns. Der in Godesberg verle[bte] Tag gewährt uns die angenehmste Erinnerung.
Leben Sie wohl. Ihr Sie

herzlich liebender
L. Spohr.

Erwähnte Personen: Möser, Carl
Mühlenbruch, Heinrich
Ries, Ferdinand
Ries, Franz Anton
Ries, Harriet
Spontini, Gaspare
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Berlin
Godesberg
Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825070410

http://bit.ly/2qvNaMK

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Ries an Spohr, zwischen 14. und 19.02.1824. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Ries, 17.02.1828, aus dem sich noch ein früherer, derzeit verschollener Brief von Ries an Spohr erschließen lässt.

[1] Franz Anton Ries.

[2] Ferdinand Ries.

[3] „mir“ über der Zeile eingefügt.

[4] Vgl. rückblickend Ferdinand Ries an Spohr, 25.11.1825.

[5] „wird“ über der Zeile eingefügt.

[6] Harriet Ries.

[7] Dieser Brief ist noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.05.2017).