Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr, L. 8

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn Hofrath
J.P. Schmidt
Mohrenstraße Nro 26.
Berlin

franco.


Cassel den 25sten Februar
25.

Hochgeehrter Herr Hofrath,

Empfangen Sie zuerst meinen ergebensten Dak für die gütige Übersendung des Zeitungsblattes1, so wie für alle die Gewogenheit, die Sie mir während unsers Aufenthalts in Berlin2 erzeigt haben.
Nachdem ich nun hier das Buch Ihrer Oper „ein Abend in Madrid“ gelesen habe, bin ich auch zu der, von Herrn Feige schon früher ausgesprochenen Überzeugung gekommen, daß es uns jezt ganz an Sängern fehle die ein solches Stück genügend darzustellen fähig wären; denn seit Gerstäcker krank ist und wir eine Primadonna3 haben die im Spiel noch ganz Anfängerin ist, müssen wir alle solche Sachen liegen lassen. Den Onkel und die Vertraute wüßten wir zwar gut zu besetzen, für die beyden Hauptpersonen müssen wir aber eine günstigere Zeit abwarten. Vielleicht vollenden Sie in der Zeit ein Werk, was sich gleich bey uns zur Aufführung eignet. - Das Buch der Oper, welches Sie vielleicht gebrauchen, werde ich mit nächster Gelegenheit Ihnen übersenden. Unsere Rückreise war schnell und glücklich. Meiner Frau Sehnsucht nach den Kindern war so groß, daß sie darauf bestand die Nächste durchzureisen. Daher waren wir Donnerstag Nachmittag schon hier. Wir fanden in unserer Familie alles wohl. Seit der Rückkunft bin ich nun sehr mit Geschäften überhäuft; doch habe ich die neue Oper4 schon bis zu kl. Orchesterproben gebracht und so hoffe ich sie bis zur bekannten Zeit gut bieten zu können.
Mit Ihrer ferneren Gewogen[heit mich em]pfehlend unterzeichne ich hochacht[ungs]voll

Ihr ergebenster Diener
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Feige, Karl
Gerstäcker, Friedrich (Vater)
Schweizer-Roller, Louise
Spohr, Dorette
Erwähnte Kompositionen: Schmidt, Johann Philipp Samuel : Ein Abend in Madrid
Spohr, Louis : Der Berggeist
Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Berlin
Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1825022515

http://bit.ly/2IV1A0D

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schmidt an Spohr, 09.03.1824. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schmidt an Spohr, 11.12.1828.

[1] Noch nicht ermittelt.

[2] Zur Aufführung von Spohrs Jessonda.

[3] Louise Schweitzer, später verh. Roller.

[4] Der Berggeist.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (05.07.2018).