Autograf: bis mindestens 1943 im Besitz von Werner Wittich, danach Kriegsverlust (vgl. Druck, S. 14)
Druck: Louis Spohr, Briefwechsel mit seiner Frau Dorette, hrsg. v. Folker Göthel, Kassel und Basel 1957, S. 70f.

Kassel1, den 5. Jan. 25

Geliebtes Weibchen!

Während Feige mit einem Schauspieler2 über Engagement unterhandelt, so daß ich kaum meine Gedanken sammeln kann, will ich Dir in Eile unsere glückliche Ankunft hier melden. Wir kamen hier um 2 Uhr an und die erste Person, die mir entgegentrat, war Moscheles, der ein große Freude zu haben schien, mich so unerwartet zu sehen. Morgen gibt es Konzert, dem wir leider nicht beiwohnen können, da wir um 6 Uhr morgen früh weiterreisen werden.
Mein Vater3 war leider nicht in Nordheim. Statt seiner trafen wir einen Boten, durch den er mir schrieb4, daß er wegen einer Überschwemmung bei Grene nicht habe durchkommen können. Der Bote hatte sich auf einem Kahn bersetzen lassen. Die Mutter5 hat mir ein kleines Paket für Ferdinands Frau6 geschickt, das ich auf die Post geben sollte, wenn wir nicht binnen 8 Tagen zu Hause kämen. Es wird also wohl ein Geburtstagsgeschenk sein. Da ich es nun mitgenommen habe, so erwarten wir doch Ferdinand oder seine Frau. Es ist leicht möglich, daß wir über Braunschweig zurückreisen, um die Sache mit Cornet und Kiels mündlich in Richtigkeit zu bringen. Sollte dies der Fall sein, so werden wir doch nicht länger als bis zum 16. oder 17. ausbleiben. Das Bestimmtere werde ich Dir von Bremen schreiben.
Heute abend waren wir im Schauspiel und mußten den traurigen Caesaro7 sehen; er wurde aber von allen ohne Ausnahme schlechter als in Kassel gegeben.
Soeben ½1 Uhr waren Hausmann und Moscheles noch einmal bei mir, und trugen mir, wie sie sahen, daß ich an Dich schrieb, tausend Grüße an Dich auf. Moscheles wird wohl bei unserer Rückkehr noch hier sein und ich dann einen Abend bei Hausmann oder beim Graf Platen mit ihm zubringen. Er hat mir viel Interessantes von Berlin und Dresden erzählt. Nun lebe wohl und grüße mir die Kinder herzlich und Mine8 und Carl9.

Ewig Dein Louis.



Der letzte überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Dorette Spohr, 18.06.1824. Der nächste überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Louis Spohr an Dorette Spohr, 10.10.1829.

[1] Bereits im Druck als offensichtlicher Schreibfehler Spohrs statt des richtigen „Hannover” vermerkt.

[2] Noch nicht ermittelt.

[3] Carl Heinrich Spohr.

[4] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[5] Ernestine Spohr.

[6] Karoline Spohr.

[7] Cäsario, Lustspiel von Pius Alexander Wolff (Identifikation nach Druck, S. 98, Anm. 5).

[8] Dorette Spohrs Schwester Wilhelmine Scheidler.

[9] Dorette Spohrs Bruder Karl Scheidler?

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (04.01.2016).