Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C.F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 132f.

Cassel, am 8ten März. 1824.

Herrn C.F. Peters.

Vorgestern, am 6ten d. M. habe ich Ihren Brief vom 26sten Februar nebst dem Päckchen mit 100 Thlr. Pr. Cour. richtig erhalten. – Die mir gleichfals übersandten Blätter der Zeitung für die elegante Welt übergab ich meinem Bruder, welcher Sie ersucht, dem Herrn Professor Wendt in seinem Namen dafür zu danken. Den in den genannten Blättern enthaltenen Aufsatz über Jessonda1 hatte mein Bruder übrigens bereits gelesen.
Zum Stoff meiner 2ten Sonate à 4 mains, welche Sie zu haben wünschen, wähle ich – nach reiflicher Überlegung und zugleich auf den Rath meines Bruders – dessen E moll-Quartett Oev. 45 Nro 2.2
Da zu der Arbeit des arrangement's durchaus eine Partitur erforderlich ist, es mir aber zu viel Zeit rauben würde, wenn ich eine solche erst aus den Stimmen anfertigen wollte, so ersuche ich Sie, mir die Original-Partitur von diesem Quartett (oder wenn Sie wollen von allen 3en) gefälligst zu leihen und baldmöglichst zu übersenden.
Ihre Idee – in Betreff der Anfertigung eines Amusement oder Potpourri pour le violon seul, welches Werkchen die interessantesten und gefälligsten Stellen aus den Violinkonzerten meines Bruders enthalten soll, ist eben so neu als originell und ich glaube, daß die Herausgabe eines solchen Werks vielen Geiger[n] (besonders Dilettanten) sehr willkommen sein würde. Die Ausführung der Idee ist aber gar nicht leicht, weil dieser Extract – selbst unter dem große Fr[ei]heit gestattenden Titel „Potpourri“ – doch Zusammenhang haben und ein abgerundetes Ganzes bilden muß. – Ich will einen Versuch3 machen und denselben sodann meinem Bruder, welcher gegen die Idee selbst nichts einzuwenden hat, zur Prüfung vorlegen.4
Das von mir – aus dem Doppel-Quartett – arr[an]girte Quintett für P.f. etc. werden Sie nächstens mit dem Original zugleich bekommen.In der morgenden Quartett-Versammlung wollen wir dasselbe erst noch einmal spielen, um zu hören, ob es ganz den beabsichtigten Effect macht und ob alle Nummern in den Stimmen angezeigt sind.
Schließlich entledige ich mich noch des Auftrags, Sie von meinem Bruder – so wie auch von meiner Schwägerin freundlich zu grüßen und verbleibe mit aller Hochachtung

Ihr
ergebener
F. Spohr

P.S.
Mein Bruder ersucht Sie, ihm den Rapendica-Sarmen5 doch gefälligst bald zu überschicken.6

Erwähnte Personen: Spohr, Dorette
Spohr, Louis
Wendt, Amadeus
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Doppelquartette, op. 65
Spohr, Louis : Jessonda
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 45
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1824030820

http://bit.ly/2i5o7Mw

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Peters an Ferdinand Spohr, 26.02.1824. Peters beantwortete diesen Brief in Peters an Louis Spohr, 16.03.1824.

[1] A. Wendt, „Ueber die Oper Jessonda von Spohr und Gehe”, in: Zeitung für die elegante Welt 24 (1824), S. 265-268, 275-278, 281-284 und 291-294.

[2] Ferdinand Spohrs Bearbeitung von op. 45 erschien 1825 als „Seconde Sonate à quatre mains pour le Piano-Forte tirée d'un Quatuor de Louis Spohr arrangée par Ferd. Spohr“.

[3] Hier gestrichen: „damit“.

[4] Ferdinand Spohr verwarf nach einem Versuch, den Plan eines solches Werks ganz (Vgl. Ferdinand Spohr an Peters, 15.09.1824).

[5] Noch nicht ermittelt. Peters schreibt in seinem Antwortbrief „Rapendica-Samen”; es scheint sich also um Pflanzen zu handeln.

[6] Auf der letzten Seite dieses Briefes befindet sich von anderer Hand noch der Eingangsvermerk des Verlags: „1824 / 8 Mrz / 16 '' / Cassel / Spohr“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (22.12.2016).