Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Has. 287[Hermstedt:1

Sondershausen, den 19. März 1823.

Verehrter, sehr lieber Freund!

Uiberbringer dieses, Herr Habermehl, welcher einige Jahre hier bei der Oper als fester Baßsänger angestellt war1, wollte wegen Verminderungen der Gagen nicht länger hier bleiben. Derselbe ersuchte mich daher, indem er gesonnen sey, über Cassel zu reisen um auch dort ein Engagement zu sucen, ihm an Sie zu empfehlen.
Wir haben ihn hier ungern verlohren. Er ist in allen gangbaren Opern einstudirt, hat eine sehr schöne tiefe Baßstimme, ist wirklich musikalisch gebildet und ein sehr guter gefälliger Mann. Es sollte mich freuen wenn Sie ihn bei Ihrer Oper gebrauchen könnten, in diesem Falle ersuche ich Sie an ihm zu thun was Ihnen möglich ist.
Nun wie geht’s Ihnen? gewiß recht wohl! Mein Befinden mit den Meinigen ist auch erträglich, denn wir sind gesund und zufrieden. Gar gerne besuchte ich Sie auch einmal in Cassel um mich von den Früchten Ihres dortigen Wirkens laben zu können. Geben Sie mir doch einmal einen freundlichen Wink wann die ratsamste Zeit ist2 wo ich zugleich auch ein Konzertchen(?) geben könnte. Das nächste Frühjahr wäre mir wohl recht erwünscht indem ich Kassel in einer schönen Jahreszeit noch nicht gesehen habe.
Nun noch die Versicherung: daß ich mich wie immer, mit alter treuer Freundschaft Liebe und Verehrung, an Sie erinnre und nicht aufhören werde zu sein

Ihr
ganz Ergebener
JHermstedt.

Herzliche Grüße, nicht zu vergeßen, an die Ihrigen.

Autor(en): Hermstedt, Johann Simon
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Habermehl (Bass in Sondershausen)
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Sondershausen>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1823031943

http://bit.ly/2faQlHM

Spohr



Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Hermstedt, zwischen 09.05. und 09.06.1821. Der nächste erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Hermstedt an Spohr, 10.10.1823.

[1] Vgl. „Aus Sondershausen (Aus dem Briefe eines Reisenden)”, in: Zeitung für die elegante Welt 20 (1820), Sp. 1550ff. und 1559f., hier Sp. 1552.

[2] „ist” über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.10.2016).