Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 114f.

Sr. Wohlgeb.
Herrn C.F. Peters
(Bureau de Musique)
Leipzig.

franco.


Cassel den 3ten Juni
22.

Geliebter Freund,

Sie haben mir zwar meinen lezten Br. noch nicht beantwortet, doch muß ich Sie schon wieder mit einem belästigen und dießmal sogar mit einer Bitte und einem Auftrage.
Ich habe an Herrn Streicher in Wien 280 fl. in 20 fl. Fuß1 für ein Pianoforte welches er mir geschickt hat, zu bezahlen. – An Freund Mathei habe ich eine Violine verkauft und er wird Ihnen den Betrag dafür mit 150 Rth. Sächsisch auszahlen. – Ferner habe ich bei Mechetti in Wien 100 fl. W.W.2 stehen, die ihm die Theaterdirektion für die Erlaubniß: meine Oper Zemire u. Azor abschreiben zu dürfen, ausgezahlt hat. – Nun geht meine Bitte an Sie dahin, daß Sie 1.) die Güte haben wollen die 150 Rth. von H. Mathei durch einen Wechsel an Herrn Streicher zu übernehmen, 2.) dafür zu sorgen daß H. Mechetti die 100 fl. W.W. sogleich an H. Streicher auszahle, und 3.) daß Sie selbst die Güte haben zu diesen beyden Summen noch so viel zuzulege[n] als nöthig ist, um die 280 fl. in 20 f[l. Fuß] die ich Herrn Streicher schuldig bin, voll zu machen. Da ich den Stand des Wiener Papiergeldes nicht kenne so kann ich auch nicht berechnen, wie viel noch nöthig seyn wird.
Nun fühle ich wohl, wie unbescheiden es ist von Ihnen noch neue Auslagen zu verlangen, da ich ohnedieß noch mit 50 Rth. in Ihrer Schuld bin; allein ich baue auf Ihre mir wohlbekannte Gefälligkeit und glaube, daß es dießmal nicht über 10 – 15 Fl. betragen wird.
Daß ich hier sehr zufrieden [bin]3 und mein Geschick preisen kann[, da]4 es mich hieher geführt hat, wird Ihnen bey Ihrer Theilnahme für uns gewiß sehr lieb zu erfahren seyn!
Leben Sie recht wohl. Die herzlichsten Grüße von uns allen an die lieben Ihrigen. Mit inniger Freundschaft stets

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Matthaei, Heinrich August
Mechetti, Pietro
Streicher, Andreas
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Zemire und Azor
Erwähnte Orte: Wien
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822060320

http://bit.ly/2gvUeaA

Spohr



Der Postweg dieses Briefs überschnitt sich mit Peters an Spohr, 29.05.1822. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Peters, 14.06.1822.

[1]Der 20 fl. Fuß, der sogenannte Konventionsfuß, war der in Österreich gültige Münzfuß. Neben dem für das preußische Courant gültigen 18 fl. Fuß war er der gängigste Münzfuß. Der Münzfuß legte offiziell fest, wie viele Münzen einer Sorte aus einer Gewichtseinheit des betreffenden Edelmetalls, hier Silbers, zu prägen waren, bestimmte also den Feingehalt der Münzen.

[2] W.W. ist die Abkürzung für Wiener Währung.

[3] Textverlust durch Sigelausschnitt.

[4] Textverlust durch Sigelausschnitt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (12.12.2016).