Autograf: nicht ermittelt
Abschrift: Bernhard Müller, Die Fürstliche Hofkapelle in Rudolstadt 1683-1854 (Ms.), ca. 1890er Jahre, 1903 erg. durch Oscar Vater, in: Landesarchiv Thüringen - Staatsarchiv Rudolstadt, Bibliothek (D-RUl), Sign. Rf 26-10, hier S. 740ff.
Druck: Peter Gülke, Musik und Musiker in Rudolstadt, Rudolstadt 1963, S. 68

Cassel den 6. April 1822.

Geliebter Freund!

Da es mehr als wahrscheinlich ist, daß Unterhandlungen, die man hier vor meiner Ankunft mit einem Clarinettisten angeknüpft hat, nicht zustande kommen werden u. ich nichts sehnlicher wünsche, als Sie als ersten Clarinettisten bei der Kapelle hier angestellt zu sehen, so frage ich bei Ihnen an, ob Sie sich wohl entschließen könnten Ihr geliebtes Rudolstadt zu verlassen u. hierher zu ziehen, wo freilich in artistischer Beziehung ein ganz anderes Leben aufblüht wie früher. Sollten Sie dazu geneigt sein, so bitte ich Sie, mir mit erster Post die Bedingungen anzuzeigen, unter welchen Sie hier Engagement annehmen möchten. Es werden alle neuen Künstler mit Rescript auf Lebenszeit engagiert u. die Geschäfte bestehen in Folgendem. Im Winter ist 4mal, im Sommer 3mal Theater. Von drei Vorstellungen ist gewöhnlich die dritte eine Oper. Bei dieser ist das ganze Orchester beschäftigt, beim Schauspiel aber nur die Hälfte, sodaß ein jedes Mitglied
des Orchesters von 14 Tagen eine Woche frei hat. Die Lebensweise ist hier sehr angenehm und wohlfeil, wenigstens findet es meine Frau hier wohlfeiler wie in Gotha.
Schreiben Sie mir nun so bald wie möglich Ihre Meinung. Wollen Sie aus diesem Briefe kein Geheimnis machen, so grüßen Sie H. v. Holleben und unsere übrigen Freunde auf das Herzlichste und sagen Sie ihnen, daß wir sehr darauf hofften, sie im Sommer einmal hier zu sehen. Schreiben Sie mir doch auch noch, wie bald Sie, im Falle wir einig werden, hier antreten könnten, da mir
sehr daran liegt, die Kapelle so bald wie möglich complettirt zu sehen.
Mit herzlicher Freundschaft stets der Ihrige
gez. Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Holleben, Karl Ludwig Anton von
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822040613

http://bit.ly/2xwFh0t

Spohr



Der nächste überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Müller, 19.04.1822.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.10.2017).