Autograf: ehemals Privatbesitz Dr. Ernst Hauptmann in Kassel, vermutlich 1943 Kriegsverlust
Druck: La Mara (= Pseud. für Marie Lipsius), Classisches und Romantisches aus der Tonwelt, Leipzig 1892, S. 131f.

Cassel, den 2ten März 22.

Geliebter Freund,

Sie haben mich durch Ihre Zusage hieher kommen zu wollen unendlich erfreut und ich werde gewiß alles aufbiethen, was in meinen Kräften ist, Ihnen den Aufenthalt hier angenehm zu machen. Der Kurfürst hat nun das Engagement der ihm von mir vorgeschlagenen Musiker genehmigt und ich bin beauftragt mit ihnen abzuschließen. Sie dürfen sich daher von nun an als Mitglied unserer Kapelle betrachten und ich bitte Sie sobald wie möglich von Dresden hieher zu kommen; spätestens aber bis zum 11ten Aprill hier zu seyn. Von dem Tage an, wo Sie hier eintreffen werden, wird Ihr Gehalt 400 Rth anfangen; außerdem werden Ihnen die Reisekosten mit 30 Rth vergüthet werden. [...]
Gestern Abend hatten wir die erste (recht gelungene) Aufführung vom Freischütz. Die Oper hat manches Schöne aber auch viel triviales und unzusammenhängendes. Die 3 ersten Nummern des 2ten Akts sind mir das liebste, das schlechteste scheint mir das letzte Finale und die Ouverture. — Die Proben von Zemire und Azor haben begonnen. Am 24sten dieses wird die erste Aufführung seyn, den 26sten oder 27sten die 2te. Dem. Canzi als Zemire wird gewiß sehr vorzüglich seyn. Ich wollte, Sie kämen zeitig genug hieher, um sie als solche hören zu können. Am 1sten Aprill wird sie leider von hier abgehen und ihre Reise nach Italien fortsetzen.1 […]
Leben Sie wohl. Ich freue mich unendlich darauf Sie nun bald wieder zu sehn. Die herzlichsten Grüße an die Ihrigen. Mit inniger Freundschaft

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Canzi, Katharina
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Zemire und Azor
Weber, Carl Maria von : Der Freischütz
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1822030203

http://bit.ly/2LwmhkR

Spohr



Der letzte überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Hauptmann an Spohr, 06.02.1822. Der nächste erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Hauptmann an Spohr, bis zum 14.07.1829.

[1] Vgl. „Cassel“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 24 (1822), Sp. 324-331, hier Sp. 330f.; Reinhard Lebe, Ein deutsches Hoftheater in Romantik und Biedermeier. Die Kasseler Bühne zur Zeit Feiges und Spohrs (= Kasseler Quellen und Studien 2), Kassel 1964, S. 110 und 120.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.08.2018).