Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), Sign. 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 97f.
Druck: Herfried Homburg, „Bildnisse Louis Spohrs. Eine vorläufige Bestandsaufnahme”, in: Louis Spohr. Festschrift und Ausstellungskatalog zum 200. Geburtstag, hrsg. v. Hartmut Becker und Rainer Krempien (= Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Ausstellungskatalog 22), Kassel 1984, S. 209-230, hier S. 212 (teilweise)

Gandersheim den 24sten
Juni 1821.

Geliebter Freund,

Für die Abdrucke des Portrait1 so wie für die überschickten Musikalien sage ich Ihnen den herzlichsten Dank. Ersteres wird allenthalben sehr ähnlich und vorzüglich gearbeitet gefunden. So schreibt man mir wenigstens aus Hamburg und Gotha.
Beykommend erhalten Sie das Clavierquintett mit Blasinstrumenten und eine zweite Partitur mit den arrangirten Saiteninstrumenten. Ich glaube Sie werden es auf beide Weise, in ein2 Exemplar zusammengeheftet verkaufen müssen.3 Haben Sie die Güte es Ihrem Correktor besonders zu empfehlen. Es wäre zu wünschen, daß dieser Clavierspieler wäre, um die Pianoforte-Stimme recht genau durchsehen zu können. – Da ich einen besonderen Werth auf die Komposition dieses Quintetts lege, so wünschte ich wohl daß darüber eine ausführliche Rez[en]sion in der Musik. Zeitung erschien[e.] Können Sie daher nicht die Partitur wenn Sie sie nicht mehr brauche[n] an die Redaction zu diesem Behuf übergeben? Warum erscheinen überhaupt so wenig Critiken Ihrer Verlag[s]werke in der M. Zeitung und besonders von meinen Sachen nie? Ferner bitte ich Sie, es wo möglich zu verhindern, daß das Quintett in Leipzig nicht eher öffentlich execiturt werd[e] als bis wir im Herbst4 h[er]kommen werden, wo es alsdann meine Frau in unserem Concerte spielen wi[rd.]5 Es kann bey einer ersten, nicht sorgfältig genug studierten Aufführung so gut zu Grunde gerichtet werden als dieß mit meiner Sinfonie bey der ersten Aufführung in Leipzig der Fall gewesen seyn soll. – Den Titel zum Quintett kann ich Ihnen noch nicht mitschicken, da ich einer vornehmen Dam[e] dediciren will, deren Erlaubniß dazu ich erst einholen muß.6 In 14 Tagen oder 3 Wochen soll er nachkommen.
Meine Messe ist fertig und ich schmeichle mir etwas tüchtiges geliefert zu haben. Sie dauert etwas über eine halbe Stunde und scheint mir dem Zweck, für den ich sie bestimmt habe, angemessen. Doch getraue ich mir nicht sie früher dem Stich zu übergeben, bis ich sie gehört habe. Ich werde dazu die beste Gelegenheit in Hamburg finden auf meiner kl. Reise die ich in 2½ Monath nach Coppenhagen zu machen gedencke oder auch in Leipzig wohin wir etwa Anfang November kommen werden.7
Leben Sie wohl. Mit herzlicher Freundschaft

der Ihrige
Louis Spohr.

NB. Einige Verbesserungen, die ich auf der vorigen Winter-Reise dem Quintett gegeben hatte, sind von mir in der Partitur sorgfältig8 nachgetragen worden. Es ist nun au[ch,] obgleich es eins der brillantesten Concert-Stücke für Piano ist, nicht so schwer, daß es nicht gar viele unter den Dilettanten spielen könnten. Wenigstens ist es leicht[er] als neuesten Hummelschen Sach[en.]9

Erwähnte Personen: Caroline Amalie Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzogin
Hummel, Johann Nepomuk
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Messen, op. 54
Spohr, Louis : Quintette, Fl Kl Fg Hr Kl, op. 52
Spohr, Louis : Quintette, Vl 1 2 Va Vc Kl, op. 53
Erwähnte Orte: Hamburg
Kopenhagen
Leipzig
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1821062420

http://bit.ly/2gCYmpP

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Peters an Spohr, 26.04.1821. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Peters, 02.08.1821.

[1] Nach Homburg handelt es sich hier um einen Stich von Friedrich Fleischmann nach einem Gemälde von Adam Grünbaum (siehe Druck).

[2] Das Wort „ein“ ist doppelt unterstrichen.

[3] Tatsächlich wurden die Bläserfassung als op. 52 und die Streicherfassung als op. 53 getrennt veröffentlicht.

[4] Hier folgen im Manuskript die gestrichenen Worte „nach Leip“.

[5] Das Konzert fand am 22.10.1821 statt (vgl. „Leipzig, im Nov.”, in: Morgenblatt für gebildete Stände 15 (1821), 1224, 1227f. und 1232, hier S. 1232).

[6] Spohr widmete das Quintett der Herzogin Karoline Amalie von Sachsen-Gotha.

[7] Spohr plante schließlich, die Messe in Leipzig durch die Singakademie unter Johann Philipp Christian Schulz aufführen zu lassen. Doch fiel eine Probe im Beisein Spohrs so schlecht aus, dass er das Werk zunächst für unaufführbar hielt und erst Jahre später durch die Berliner Singakademie vom Gegenteil überzeugt wurde (vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 121f., Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 146f.).

[8] Hier folgt noch der Hinweis „verte.“

[9] Auf dieser Seite des Briefes befindet sich von anderer Hand der Empfangsvermerk des Verlags: „1821 / 24 Juny / 16 Jul. / Gandersh. / Spohr“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (21.11.2016).