Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (D-LEsta), 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 33
Druck: Horst Heussner, Die Symphonien Spohrs, Phil. Diss. Marburg 1956, Anh. S. 7

Gotha den 18ten May
11.

Mein lieber Freund,

Über den vielen Zerstreuungen in Leipzig habe ich noch einiges wegen meiner Sinfonie zu arrangiren vergessen.1 Ich wünschte sie nämlich dem Leipziger großen Concerte zu dediciren, welches sich ein Geschäft daraus macht große Sinfonien und gut zu executiren. Nun weiß ich aber nicht, wie man dieß Concert in der Dedication benennen soll, auch nicht, ob man die Herren Direcktoren vorher davon preveniren muß. Hätten Sie wohl die Güte mich über beides zu belehren? Auch wünschte ich auf dem Titel bemerckt, daß diese Sinfonie beym 2ten großen Künstlerverein in Frankenhausen gegeben sey.2 – Dieses Concert hat wegen Verzögerung der Erlaubniß 4 Wochen weiter hinausgesezt werden müssen, und wird nun erst den 17ten Juli stattfinden. – Die Partitur der Sinfonie werden Sie in einigen Tagen zugeschickt erhalten. Wenn wir doch zu dem Larghetto noch irgend ein Beywort setzen könnten, damit es nicht allenthalben so entsezlich geschleppt wird wie in Leipzig3; etwa Larghetto con moto, oder etwas dergleichen.4
Leben Sie wohl.
Mit Hochachtung

Ihr
ergebenster Fr.
Louis Spohr5

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Sinfonien, op. 20
Erwähnte Orte: Frankenhausen
Leipzig
Erwähnte Institutionen: Gewandhaus <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1811051820

http://bit.ly/2aqXY95

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Kühnel, 24.11.1810. Kühnels Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Demnach war Spohr bei der Leipziger Erstaufführung seiner Sinfonie op. 20 anwesend (vgl. Bert Hagels, „Vorwort”, in: Louis Spohr, Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 20, hrsg. v. Bert Hagels, Berlin [2008], S. III-XXI, hier S. IX).

[2] In der 1811 bei Kühnel erschienenen Erstausgabe der Sinfonie wurden die Widmung und der von Spohr gewünschte Hinweis wie folgt berücksichtigt: „composée et dédiée à Messieurs LES DIRECTEURS DU GRAND CONCERT À LEIPZIG par Louis Spohr. Oe. 20. - Pr. 4 Rth. (NB Diese Sinfonie ist bei dem Musikfest in Frankenhausen am 11. July 1811 ausgeführt worden)“. Zur Diskussion um die Titelei vgl. auch Spohr an Kühnel, 29.05.1811.

[3] Datierung der Leipziger Aufführung am 12.05.1811 im Saal des Gewandhauses in Leipzig nach Bert Hagels, Konzerte in Leipzig 1779/80-1847/48, Berlin 2009, Anhang (Pdf-Datei auf CD-Rom), S. 556; vgl. „Leipzig”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 13 (1811), Sp. 379-382, hier Sp. 379f.

[4] Diese Tempobezeichnung erhielt der Druck auch (vgl. Hagels, „Vorwort”, S. X).

[5] Auf der letzten Seite des Briefes befindet sich von anderer Hand noch der Eingangsvermerk des Verlags: „1811 / d. 18. May / d. 20. '' / Spohr / Gotha.“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (21.07.2016).