Autograf: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Sign. A 9846, Bl. 2
Druck: Paul Michel, „Die pädagogischen Ansichten Louis Spohrs und ihre Beziehungen zum Philanthropismus”, in: Louis Spohr. Festschrift 1959, hrsg. v. Günther Kraft, Paul Michel und Hans Rudolf Jung, Weimar 1959, S. 26-61, hier S.45

Gotha den 29sten
Aug. 8.

Ew. Wohlgeb.

geehrtes Schreiben mit dem für mich ehrenvollen Antrage Ihren Herrn Sohn1 zur lezten Ausbildung als Künstler behilflich zu seyn, kam sehr zur rechten Zeit, indem grade eine der täglichen Stunden, die ich dem Unterrichte junge Leute widmen kann, durch den Abgang eines meiner Schüler2 erledigt worden ist, und Ihr H Sohn kann daher, so bald er will, in diese Stelle einrücken.
Es thut mir aber leid, daß ich in andrer Hinsicht Ihren Wünschen nicht so entsprechen kann, indem ich Ihren Herrn Sohn weder ins Haus noch an Tisch werde nehmen können. Indessen will ich mich zwar, wenn Sie es wünschen um eine Wohnung bemühen und was den Mittagstisch anbetrifft, so kann Ihr Herr Sohn in Gesellschaft meiner fremden Schüler, deren jetzt 4 hier sind, in der Garküche speisen, wo man gutes und wohlfeiles Essen findet.
Um mit Ihrem H Sohn einen cursus in der Theorie der Musik anzufangen ist ein Vierteljahr3 viel zu kurz; ich will ihm daher lieber täglich eine Stunde im Violinspiele unterrichten, damit er in der Zeit die möglichst größten Fortschritte macht. Den Preis für meinen Unterricht betreffend, so zahlen mir meine übrigen Schüler für 12 Stunden einen Carolin.
Mit Hochachtung

Ew. Wohlgeb.
ergebenster Diener
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Götze, Johann Nicolaus Conrad
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1808082910

http://bit.ly/2g0QTke

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Götze an Spohr.
In der gleichen Akte wie dieser Brief befinden sich Bl. 1 und 3f. Vermerke zur Finanzierung von Götzes Aufenthalt bei Spohr in Gotha durch den Weimrer Hof.

[1] Johann Nicolaus Conrad Götze.

[2] Noch nicht sicher ermittelt. Möglicherweise Franz aus Dresden (vgl. C.B., „Verzeichniss der Schüler von Louis Spohr”, in: Niederrheinische Musik-Zeitung 7 (1859), S. 150ff., hier S. 150).

[3] „,Wissen Sie was‘, versetzte der prosaische Herr [Goethe], ,Ihr Kollege Götz geht auf drei Monate nach Gotha, um sich bei Spohr im Violinspiel weiter auszubilden. Bleiben Sie so lange hier, bis er von dort zurückkehrt; dann mögen Sie in Gottes Namen wieder nach Berlin reisen“ (Carl Eberwein in: Goethes Schauspieler und Musiker. Erinnerungen von Eberwein und Lobe, hrsg. v. Wilhelm Bode, Berlin 1912, S. 90).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (22.08.2017).