Autograf: Stadtarchiv Braunschweig (D-BSsta), Sign. H VIII A 4749
Druck: Autographen. Auktion am 6. und 7. Juni 1978 (= Katalog Stargardt 615), Marburg 1978, S. 258 (teilweise)

Des
Herrn Baron von
Reibnitz
Hochwohlgeb.
in
Gotha.


Hochwohlgeborner,
Hochzuverehrender Herr Baron,

Da ich erfahren hab, daß Sr. Durchlaucht, der Herzog von Gotha einen Concertmeister für Dero Chapelle zu engagiren gesonnen sind, so nehme ich mir die Freiheit, mich bey Ew. Hochwohlgeb. zu dieser Stelle unterthänig zu melden. Da ich nicht das Glück habe, Ew. Hochwohlgeb. persönlich bekannt zu seyn, so würde ich mich gern entschließen nach Gotha zu reisen, um eine Probe meines Talents abzulegen, wenn Ew. Hochwohlgeb. mir die Erlaubniß von Sr. Durchlaucht, mich bey Hofe hören zu lassen, zu verschaffen, die Gnade haben wollten. Ohne diese würde es für mich zu gewagt seyn eine Reise nach Gotha zu unternehmen, um so mehr da ich Mühe haben werde bey unserm Hofe Urlaub zu bekommen, indem ich noch nicht lange von einer großen musikalischen Reise zurück bin.1
Mit der unterthänigen Bitte, daß Ew. Hochwohlgeb. meine Freiheit gnädig verzeichen wollen, habe ich die Ehre zu seyn
Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener
L. Spohr. Herzogl.
Braunschw. Cammermusikus.

Braunschweig
den 19ten Juni. 1805.

Erwähnte Personen: August Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzog
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Gotha
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Gotha>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1805061917

http://bit.ly/2oeRE7O

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Johann Christian Wilhelm Bärwolf an Spohr. Dem Beleg für Bärwolfs Brief folgend, enthielt dieser bereits die Aufforderung an Spohr, zum Geburtstag der Gothaer Herzogin Caroline Amalie am 11.07.1805 ein Bewerbungskonzert zu geben. Demnach dürfte Spohr in diesem Brief dieses Konzert zugesagt haben. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz dürfte demzufolge Spohrs offizielles Bewerbungsschreiben am Gothaer Hof, 18.07.1805 sein.

[1] Vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 1, S. 70-84, Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 1, Kassel und Göttingen 1860, S. 72-88.

Angelegt nach dem Druck und in die Korrespondenz eingeordnet: Karl Traugott Goldbach (12.04.2017). Kommentar und Verschlagwortung nach dem Autograf, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (03.09.2018).