Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Ew. Hochwohlgeboren

Haben mir schon so mannigfache Beweise ihres für mich so unschätzbaren Wohlwollen’s gegeben, so daß mein Leben jetzt eine andere Wendung nimmt mit getrostem Muthe und voller Zuversicht meines Herzen’s mich ihnen mit einer Bitte zu nähern wage. Vielen Aufforderungen zufolge, und auch aus persönlichen Gründen, bin ich Willen’s, Hamburg mit London als Domicil zu vertauschen. Da ich schon hier in Hamburg Engagements auf Stunden in London habe, und mir der hiesige Platz durch den Tod meiner lieben Ida kein heimatliches Domicil geblieben, so nehm ich von Herzen gern den Wanderstab, und fahre über das Meer nach London, von wo mir so unerwartet eine freundliche Zukunft verheißen ist. So lieb und gut sich auch alles gestaltet, so bitte ich doch Ew. Wohlgeboren mir eine Empfehlung nach London angedeihen lassen zu wollen, da ich nur zu wohl weiß, was Ein Wort Ihrerseits bedeutet. Ich bitte um diese Vergunst um desto zuversichtlicher, da ich mich Ihres väterlichen Wohlwollen’s für gewiß erachte, und mein Herz mir den festen Rath giebt, diese Bitte Ihnen offenherzig vorzutragen. 
Selbst kaum vom Nervenfieber genesen, daß mich drei Monate fesselte, habe ich erst kürzlich von Ihrem Unfalle gehört, weil man mir alles vorenthielt, was mich aufregen durfte – ich hoffe aber zu Gott, daß Sie Ihre völlige Gesundheit wiedererlangt haben. Ich bitte auch in dieser Beziehung von Ihnen mir tröstliche Gewißheit zukommen lassen zu wollen. 
Mit der Bitte, mich Ihrer werthen Frau Gemahlin zu empfehlen, verharre ich als 

Ew. Hochwohlgeboren 
dankbarer und in tiefster Vereh-
rung bleibender 
A. Catenhusen 

Hamburg, d. 26. März 
1858.
St. Georg. Besenbinderhof.
N. 43.

Autor(en): Catenhusen, August
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: London
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1858032647


Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.05.2026).