Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Oesterley,F.:2
Göttingen d 8t Septbr. 1857.
Hochgeehrter Herr GeneralMusikDirector!
Eingedenk der schönen und unvergeßlichen Stunden, die ich Ihrem Genius und Ihrem Wohlwollen zu verdanken habe, fühle ich mich ermuthigt, als Vater für meinen Sohn zu bitten. Meinen ältesten Sohn, welcher sich ganz der Musik widmet, liegt außerordentlich viel daran, von Ihnen ein Zeugniß über seine musikalischen Leistungen, namentlich über seine Compositionsgabe zu erhalten, und er dringt in mich den seinigen meine Bitten hinzuzufügen.1 Ich fühle, was Unbescheidenes in der Bitte liegt, da mein Sohn bislang nicht die Gelegenheit gehabt hat, Ihnen Proben seines Könnens und Wirkens abzulegen; bedenke ich indeß, daß Ihrem klaren und tiefen Blicke es ein Leichtes sein wird, aus den übersandten Compositionen sich ein Urtheil über den Stand seiner musikalischen Bildung zu verschaffen, so wage ich zu hoffen, daß Sie mir verzeihen, Sie mit solchen Dingen zu behelligen. Für das Fortkommen des jungen Mannes ist es von entscheidender Wichtigkeit, wenn ein Künstler wie Sie, Lobendes in seinen Bestrebungen findet und dies in einem Zeugnisse ausspricht; es ist gerade jetzt doppelt wichtig für ihn, wenn er ein solches Zeugniß möglichst bald vorlegen kann.2 Ich brauche nicht zu versichern, wie mir als Vater, – der um das Wohl seines braven und geistig reich begabten Sohns, eifriger bekümmert ist, als um sonst etwas – jetzt kaum etwas mehr am Herzen liegt, als das Sie sich veranlaßt fühlen könnten, meine Bitte aus Überzeugung zu erfüllen.
Mit der Bitte Ihrer Frau Gemahlin mich gehorsamst zu empfehlen und Ihr unschätzbares Wohlwollen mir zu erhalten, habe ich die Ehre zu verbleiben
Ihr
ganz gehorsamster
F. Oesterley
| Autor(en): | Oesterley, Ferdinand |
| Adressat(en): | Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | Oesterley, Hermann |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1857090846 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Ferdinand Oesterley an Spohr, 20.01.1847.
[1] Vgl. Hermann Oesterley an Spohr, 08.09.1857.
[2] Vermutlich beabsichtigte Hermann Oesterley das Zeugnis für seine Bewerbung als akademischer Musikdirektor in Kiel am 28.09. zu verwenden (vgl. Alexander Lotzow, „Institutsgeschichte Hermann Oesterley“, Universität Kiel 2015; J.W. Planck, „Rectoratsbericht vom 5. März 1856 bis 5. März 1858“, in: Chronik der Universität zu Kiel (1858), S. 23-28, hier S. 24).
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (04.10.2023).