Autograf: Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms.Hass. 287
Frankfurt a/m d. 12t Febr. 57.
Hochgeehrtester Herr!
Mit Einstudiren der Chöre Ihres schönen Oratoriums bin ich jetzt fertig und werde die Orchesterproben beginnen. Die Aufführung selbst muß sich noch nach den hiesigen Theater- Concert- und BallVerhältnissen richten und muß noch um kurze Zeit hinausgeschoben werden, welche Verzögerung aber der größern Vollendung des Vortrags zu Gute kommen soll – sie ist unabänderlich festgesetzt auf
Freitag den 27t Februar, Abends 7 Uhr
Die Soli sind1 guten Händen und klangvollen Stimmen anvertraut: –
Sopran I. Fäulein Veith (vom Theater)
" II. " Lehmann (Schülerin von mir)
Alt " Schönbach (desgl.)
Cyrus Herr Hill (vortreffl. Dillettant – ebenfalls ein Schüler)
Daniel " Baumann (vom Theater)
Belsazer " Tomschitz (guter Dillettant, der sich zum Theater vorbereitet.)
Tenor II " Zimmermann (vom Theater. –)
Die Mitglieder des Vereins haben das Werk liebgewonnen und im Publikum sieht an der Aufführung mit freudiger Spannung entgegen. Ich denke, daß letztere nicht unerheblich zu weiterer Verbreitung des Werks in Deutschlang beitragen wird. – Jetzt aber die Hauptfrage: Kommen Sie denn zu uns? Man hat in der jüngsten Zeit so viel hier darüber gesprochen, man wollte so mancherley sichere Nachricht haben, daß Ihnen der Urlaub bereits verweigert seyn, daß man ganz konfus wurde. Ich hoffe aber, daß von Ihrer Seite keine Schritte geschehen sind, da Sie ja über die Zeit selbst im Unklaren waren. – Recht ans Herz legen2 möchte ich Ihnen aber meinen und unserer Aller Wunsch, Sie bei der Aufführung in unsrer Mitte zu sehen. Mir besonders würde es in gar mancher Beziehung höchst wünschenswerth sein, Ihnen in meiner Thätigkeit als Dirigent nicht unbekannt zu bleiben. Glauben Sie, daß Schritte von hier aus für Ihren Urlaub günstig wirken könnten, so lassen Sie mich es baldgef. wissen. Prinzeß Hohenlohe nebst Gemahl interessiren sich z.B. sehr für die Leistungen meines Vereins, sind auch passive Mitglieder desselben – glauben Sie daß auf diesem Wege etwas zu machen sein könnte? Bitte recht sehr, und, wenn es irgend geht, durch Ihre Herkunft zu beehren. –
Darf ich Sie denn auch um die Ehre bitten, bei mir zu wohnen? Vielleicht würde es Ihnen bei mir bequemer gemacht werden können, als im Gasthof.
Die Zeit der Generalprobe kann ich jetzt unmöglich angeben, wir sind in dieser Beziehung so sehr vom Theater abhängig, daß wir recht oft mit knapper Noth noch Zeit haben, die Mitwirkenden einladen zu lassen. – Da haben Sie es besser! –
Einer gefälligen Antwort, hoffentlich erfreulichen Inhalts, entgegen sehend, zeichne mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
ganz ergebener
F.WRühl.
| Autor(en): | Rühl, Friedrich Wilhelm |
| Adressat(en): | Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | Baumann, Carl Hill, Karl Lehmann (Sopran in Frankfurt) Schönbach (Alt) Tomschitz, Ernst Veith, Franziska Zimmermann (Tenor) |
| Erwähnte Kompositionen: | Spohr, Louis : Der Fall Babylons |
| Erwähnte Orte: | Frankfurt am Main |
| Erwähnte Institutionen: | Rühl'scher Gesangverein <Frankfurt am Main> |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1857021244 |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rühl an Spohr, 01.01.1857. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Rühl an Spohr, 22.02.1857.
[1] Hier gestrichen: „in“.
[2] „legen“ über der Zeile eingefügt.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.05.2023).