Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

[Deutsche Tonhalle
Verein zur Förderung der Tonkunst 
durch Preisausschreiben]1

An Kurfürstlichen Herrn GeneralMusikdirector 
und Hofkapellmeister
Herrn Dr L. Spohr Hochwohlgeboren. 

Wenn wir uns die Freiheit nehmen Euer Hochwohlgeboren der mitkommenden 22. BewerbungsWerke recht angelegentlich gehorsamst zu bitten, so sind es die Preisbewerber selbst, welche in ihrer großen Mehrheit vertrauensvoll dem allverehrten Meister ihre Schöpfungen der Musik zu Schillers „Jungfrau von Orleans“ zur Prüfung unterbreiten, und haben wir die Hoffnung, daß Sie, wie schon so oft und zu unserm stet und innigsten Danke, auch dies Mal zur ehrenhaft und gerechten Vollziehung des diesfälligen Preisausschreiben gütigst werden behülflich sein wollen.


Unter dieser zuversichtlichen Voraussetzung und unter Ausschluß des Preisausschreiben geben wir uns die Ehre Euer Hochwohlgeboren um Ihr verehrtes Urtheil zu bitten, ob unter diesen Preisbewerbungen eine und welche so hervorragend preiswerthe ist, daß Sie ihr den Preis- und welcher oder welchen der übrigen richterliche Belobung zusprechen.
Eine weitere s. g. Bewerbung, aber die Musik zu dem am Schlusse des Prologs vorkommenden Monolog der Johanna (,Lebt wohl, ihr Berge, ihr geliebten Triften usf.’) haben wir in diese Preisbewerbung nicht aufgenommen, weil dieses „Probestück“ erst am 4. d. M. eingekommen und es nicht die Anforderungen des Ausschreiben umfasst; wir es daher bei uns liegen lassen, bis es ein ungenannter Verfasser, sich nennend, rückverlangt.
Auch wenn rechtzeitig eingekommen, würden wir dieses „Probestück“ als Bewerbung nicht angenommen haben, obgleich sein Verfasser in einigen Begleitzeilen bemerkte: „Es werde aus demselben (er habe zu spät von dem Preisausschreiben erfahren) hinlänglich zu ersehen sein, ob die Composition andern Bewerbern nachsteht! Dann sei dieser Polog [Ist das vom Schreiber gedachter Zeilen selbst (wohl statt Monolog) gebrauchtes Wort.]2 getroffen, so wär auch alles Uibrige ebenfalls zweckentsprechend componirt.“
Auf der Decke des Probestücks hat sein Verfasser all dasjenige noch bemerkt, was wir uns die Ehre geben, in getreuer Abschrift vorzulegen. 
Möchten Euer Hochwohlgeboren so gefällig sein, wenn wir mit Beiseitelegen dieser Werkes gefehlt, und dessen nachträgliche Vorlegung aufgeben zu wollen, die wir in Verehrung beharren

Euer Hochwohlgeboren 
dankbarergebenster 
VereinsVorstand 
I. A. d.3 A. Schüssler 

Mannheim 9. Novemb. 
1856.

Autor(en): Schüssler, Adam
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Deutsche Tonhalle <Mannheim>
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856110948


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schüssler an Spohr, 18.07.1856. Spohrs Antwortbrief vom 27.12.1856 ist derzeit verschollen.

[1] Vorgedruckter Briefkopf.

[2] Ausdruck in Klammern am unteren Briefrand eingefügt. – Möglicherweise sind in „Polog“ aber auch „Monolog“ und „Prolog“ amalgamiert.

[3] Abk. f. „Im Auftrag desselben“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.02.2026).