Autograf: letzter Nachweis siehe Druck 3
Druck 1: Lili Scholz, „Louis Spohr an Bernhard Scholz“, in: Frankfurter Zeitung 19.11.1934, S. [1] (teilweise)
Druck 2: „Der Musiker Bernhard Scholz. Im Spiegel von Briefen seiner Freunde“, in: Frankfurter Zeitung 02.04.1935, S. [1]f., hier S. [1] (teilweise)
Druck 3: Autographen aus verschiedenem Besitz. Darunter ein Teil des Nachlasses der Fürstin Karoline Wittgenstein. Auktion vom 11. bis 13. November 1965 in Marburg (= Katalog Stargardt 574), Marburg 1965, S. 155 (teilweise)
Kassel, d. 22. Oktober 1856
Die Präludien und Fugen geben Zeugnis für die ernsten Studien, die Sie nun in unserer Kunst begonnen haben, – Sie verlangen wie früher mein aufrichtiges Urtheil auch über diese neuen Arbeiten. So will ich Ihnen denn nicht verhehlen, daß die Sonate mich weniger befriedigt hat. Die Form ist zwar gut, auch reihen sich die Gedanken ziemlich natürlich aneinander, enthalten auch manches Eigenthümliche und nicht schon Verbrauchte, sie hat aber zu wenig Wohlklang und die beiden Instrumente sind nicht so recht, ihrer Natur gemäß, behandelt. Zwar ist nicht gerade Unausführliches darin, aber es spielt sich widerhaarig und ist nicht dankbar für den Spielen. Besonders fehlt es aber an einschmeichelnden Melodien und dem Ohr wohltuenden Harmoniefolgen. Wohlklang ist, glauben Sie mir, das erste Erfordernis jeder Musik, besonders aber der reinen Instrumentalmusik. Was die moderne Kritik auch schreiben mag über Verweichlichung der Kunst, es ist doch gewiß, daß die allerneueste Zukunftsmusik mit ihren barbarischen Uebelklängen und in ihrer Formlosigkeit, nie eine Zukunft haben wird! und nur dazu dienen wird, die Musik allen gesunden Ohren immer mehr zu verleiden! Ich glaube daher junge Künstler nicht ernstlich genug warnen zu können, diesen Irrwegen nicht zu folgen!
Nehmen Sie diese Warnung freundlich auf und Schreiben Sie sie dem Interesse zu, das ich an der Entwicklung Ihres Talentes nehme.
| Autor(en): |
Spohr, Louis |
| Adressat(en): |
Scholz, Bernhard |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: |
Scholz, Bernhard : Sechs Präludien und Fugen, Kl, op. 1 Scholz, Bernhard : Sonaten, Vl Kl, op. 3 |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856102216 |
Dieser Brief ist die Antwort auf Scholz an Spohr, Juli 1856. Scholz beantwortete diesen Brief am 12.01.1857.
[Ergänzung 20.04.2021:] Die Identifikation des Adressaten als Bernhard Scholz folgt einerseits aus dem Zusammenhang der Korrespondenz, andererseits daraus, dass dieser Brief 1965 unter der gleichen Losnummer bei Stargardt versteigert wurde wie Spohr an Scholz, 14.04.1855.
Sollte diese Zuschreibung zutreffen, kann der Briefinhalt nach dem Antwortbrief ergänzt werden. Demnach kritisiert Spohr an Scholz‘ Violinsonate op. 3, er folge mit ihr zu sehr dem Liszttum.]
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (19.05.2020).