Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Euer Wohlgeboren!

Indem ich mich auf die im Jahre 1855 bei Gelegenheit der dahier stattgehabten Aufführung der Oper: „Jessonda“ an Euer Wohlgeboren gerichtete telegrafische Depesche und auf das in Folge dessen an mich gerichtete Schreiben von Seite Euer Wohlgeboren beziehe, erlaube ich mir persönlich eine Bitte an Euer Wohlgeboren zu richten. In dem vom 30. November 1855 an Herrn Dr. Leiter gerichteten Schreiben1 hatten Sie die Güte, eines Ihrer von uns so hoch geschätzten Werke, nehmlich das Oratorium: „der Fall Babylons“ zum Behufe einer Aufführung zu befingerzeigen2, und für den Fall, als von Seite unser der Clavierauszug angeschafft würde, die Übersendung der Orchester- und Singstimmen in Ausschrift zu stellen. Seit der Aufführung der Oper „Jessonda hat sich aus den hiebei versammelt gewesenen Kräften ein Verein unter dem Namen „Cäcilienverein“ konstituirt, dessen Zweck das Studium und die Aufführung klassischer Werke ist, an dessen Spitze Dr Leiter und ich zuerst gemeinschaftlich standen, und dessen Interesse ich allein seit der Abwesenheit des Dr Leiter, der als kl. Beamter eine andern Bestimmungsort erhalten hat, und deshalb Innsbruck verlassen mußte, zu besorgen die Ehre habe.
Da sich dieser Verein bereits den Klavierauszug des erwähnten Oratoriums angeschafft hat, so stelle ich im Vertrauen auf Ihre Güte die Bitte um Ausführung dieses uns höchst erfreulichen und ebenso schmeichelhaften Antrages, nehmlich uns die erwähnten Orchester- und Vokal Parthie zukommen, und mir allfälige Aufführung dieses Werkes gestatten zu wollen. Ihre Werke zu studiren und auszuführen, ist für uns ebenso die schmeichelhafteste Aufgabe, wie das schönste Ziel unserer wärmsten Wünsche.
Indem ich der Gewährung meiner Bitte entgegensehe, wobei ich zu bemerken mir erlaube, daß der ohnedieß in unserem Verein festgesetzt Beginn der Proben mit Oktober jedesmal eintritt, was auch heuer der Fall ist, zeichne ich mich

mit Hochachtung
Euer Wohlgeboren ergebener
Emanuel Ritter v. Altmann
zu Waffenheim
Dr. der Rechte.

Innsbruck den 19. Septb. 1856.

Autor(en): Altmann, Emanuel von
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Leiter, Josef
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : <%Der%> Fall Babylons
Erwähnte Orte: Innsbruck
Erwähnte Institutionen: Cäcilienverein <Innsbruck>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856091847

bitlx


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Altmann, 04.04.1855.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Offensichtlich ein in Tirol üblicher Begriff. Zur Wortverwendung vgl. z.B. „Der hochwürdige Herr Michael Feichter […]“, in: Katholische Blätter aus Tirol (1857), S. 841-849, hier S. 843; „Stenographischer Bericht über die VII. Landtagssitzung am 26. Jänner 1863“, in: Verhandlungen des Tirolischen Landtages (1863), S.112-141, hier S. 120.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (04.08.2022).