Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Lieber Herr Generalmusikdirector!
Da wir jetzt wieder Figaro’s Hochzeit auf dem Repertoire haben, so lässt’s mich nicht ruhen, auch wieder ein altes Thema aufs Tapet zu bringen. Die erste Arie Cherubins klingt stets schändlich; im Ganzen schon sind die Sängerinnen der Aufgabe nicht gewachsen; hier aber stellt der schlechte deutsche Text eine ziemlich unüberwindliche Schwierigkeit in den Weg; der Mozartsche Gesang ist dadurch rhythmisch zerbrochen, scheußlich verrenkt.
Wenn doch nur die erste Strophe, etwa in folgender Weise geändert würde, so würde sich die Erleichterung sogleich heraus fichten, Mozarts Melodie käme aus dem Schutt wieder zu Tage.
(Non so più cosa son cosa faccio)
Weiß nicht mehr, was ich thu was ich lasse.
Bald erröthe und verblasse.
Unerklärliche Sehnsucht im Herzen,
laut aufjauchzend zum Tode betrübt.
Räumen(?) Sie einmal auf, und fügen Sie Ihren großen Verdiensten um die Erhaltung Mozart’schen Geistes auch dies kleine noch hinzu.
Mit herzlicher Verehrung und Ergebenheit
stets der Ihrige
FNebelthau
Kassel am 20. Februar
1856.
| Autor(en): |
Nebelthau, Friedrich |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: | |
| Erwähnte Kompositionen: |
Mozart, Wolfgang Amadeus : Il Nozze di Figaro |
| Erwähnte Orte: | |
| Erwähnte Institutionen: |
Hoftheater <Kassel> |
| Zitierlink: | https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1856022046 |
Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Nebelthau an Spohr, 19.11.1857.
Nebelthau knüpft mit seinem Vorschlag an seinen viele Jahre früher geschriebenen Brief vom 27.02.1834 an.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.04.2026).