Autograf: Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sondershausen den 20 April 1855
 
Hochverehrter Herr Doctor!
 
Sie werden mir ob meines langen Schweigens gewiß nicht wenig gezürnt haben, und zwar mit vollem Recht. Einen Theil der Schuld trägt indeß auch der Notencopist, welcher während des Abschreibens mehrere Wochen krank darnieder lag, und da ich die Partitur nicht gern einem andern übergeben wollte, so hat sich die Absendung der Abschrift bis heute leider verzögert.
Im Uebrigen betrachte ich Ihren Auftrag als einen besondern Glücksfall für mich selbst, weil mir dadurch erst die Partitur dieses Concerts vor die Augen kam; ich hatte bis jetzt allerdings nur mit der letztern im Genusse des Meisterwerks schwelgen können, werde aber nun gewiß nicht eher ruhen, als bis einer unserer Clarinettisten, welcher den seel. Hermstedt gerade hierin noch immer als unerreichbar vor Augen und Ohrn schwebt, die übergroße Pietät und Aengstlichkeit ablegt, uns dieses Concert, was seit Hermstedt hier geschlafen hat, wieder ans Tageslicht fördert.
Indem ich mir schließlich erlaube, Ihnen den Gesammtgruß meiner1 Capelle als Zeichen ihrer Verehrung, die sie für den großen Meister stets empfunden, darzubringen empfiehlt sich mit vorzüglicher Hochachtung
 
Ihr
ergebener
Eduard Stein

Autor(en): Stein, Eduard
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Hermstedt, Johann Simon
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Konzerte, Klar Orch, WoO 19
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Sondershausen>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1855042045

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Stein, 12.02.1855.
 
[1] Hier ein Buchstabe gestrichen.
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.12.2016).