Autograf: nicht ermittelt
Druck 1: „Innsbrucker Stadtpost“, in: Innsbrucker Nachrichten (1855), S. 583ff., hier S. 584f.
Druck 2: „Kunst“, in: Bothe für Tirol und Vorarlberg (1855), S. 493

Kassel, den 4. April 1855.
 
Hochgeehrter Herr!
 
Bei meiner gestrigen Rückkehr von Hannover, wohin ich vom König eingeladen war, um einige meiner größeren Werke in einem dortigen Concerte zu dirigiren, fand ich Ihre telegraphische Depesche vorliegen, die mich so freundlich benachrichtigt, daß ein Diletanten-Verein in denselben Stunden, wo ich beim König einige meiner Violinquartetten vortrug1, meine Oper „Jessonda“ aufgeführt hat. Da ich nun aus den ebenfalls vorliegenden Tiroler Zeitungen ersehe2, daß diese Aufführung nicht blos eine Concert-Aufführung, sondern eine vollständige dramatische mit Orchester war, wie sie bisher sicher noch kein Diletanten-Verein zu Stande gebracht hat, so habe ich Ihnen nich blos für Ihre freundliche Aufmerksamkeit zu danken, sondern auch dem Verein Glück zu wünschen, daß er in seiner Ausbildung eine solche Stufe erreicht hat, daß er ein solches Unternehmen mit Erfolg wagen durfte. Die Berichte über das Gelingen des Unternehmens habe ich mit dem größten Interesse gelesen und mich innig darüber gefreut.
Indem ich dem Verein ein ferneres so blühendes Gedeihen von Herzen wünsche, gebe ich, so alt ich auch bin, die Hoffnung nicht auf, noch einst selbst einer weitern Aufführung in Ihrer schönen Heimath beiwohnen zu können.
Mit vorzüglicher Hochachtung
 
Ihr ergebener
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Altmann, Emanuel von
Erwähnte Personen: Georg V. Hannover, König
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Hannover
Innsbruck
Erwähnte Institutionen: Cäcilienverein <Innsbruck>
Hofkapelle <Hannover>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1855040417

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf das Telegramm von Altmann, 27.03.1855.

[1] Dies stimmt chronologisch nicht: Spohr trat seine Reise nach Hannover erst am 28. an (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheintrag 28.03.1855); die Soirée beim König war am 29. (vgl. ebd., 29.03.1855).
 
[2] Vgl. „Innsbruck, 27 März“, in: Innsbrucker Nachrichten 2 (1855), S. 466f.; „Lokales“, in: Bothe für Tirol und Vorarlberg (1855), S. 379.
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (27.04.2017).