Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287


Hochgeehrtester Herr!
Insonders hochgeschätzter Gönner und Freund!

Empfangen Sie bei Zurücksendung Ihres Oratoriums meinen tiefgefühlten Dank; möchte mir doch einmal Gelegenheit werden Ihnen persönlich das auszusprechen wozu meine Feder zu schwach ist.
Ich habe mich bemüht Ihr Werk so vollendet, als es in Nürnberg nur immer möglich ist, aufzuführen. Sänger und Orchester waren von einem Eifer für die Sache begeistert, daß ich wohl sagen darf, es war die beste Oratoriums-Aufführung, welche jemals in Nürnberg stattgefunden hat.1 Das zahlreiche Publikum lauschte in stiller Andacht, und wenn schon beim Schluß des ersten Theils, so wie beim Duett, und dem: Seelig sind die Todten pp Thränen der Rührung floßen, so brach beim Schlusse des Ganzen ein Beifallssturm los, der nicht enden wollte.
Diese günstige Aufnahme veranlaßte mich das Oratorium zu einem wohlthätigen Zweck, nämlich zum Besten der beiden letzten Brandunglücke getroffenen Armen zu wiederholen. Die Aufführung war von Seite der Sänger und des Orchesters noch weit beßer, die Aufnahme wohl noch begeisterter, und die Einnahme der Art, daß manche Thräne des Kummers gestillt wurde.2
Sie werden die Stimmen in gehöriger Ordnung finden, die Partitur ist nicht aus meinen Händen gekommen, damit kein Mißbrauch damit geschehen konnte.
Genehmigen Sie die Versicherung meiner unbegränzten Hochachtung und Dankbarkeit, und die Bitte um Ihr ferneres Wohlwollen

von Ihrem
Sie tiefverehrenden
Julius Grobe

Nürnberg am 17. April 1854.

Autor(en): Grobe, Julius
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1854041743

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Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Grobe. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Grobe an Spohr, 25.05.1856.

[1] Vgl. die Ankündigung „Oratorium am Charfreitage den 14. April“, in: Nürnberger Friedens- und Kriegskurier 13.04.1854, S. [4].

[2] Zur Aufführung am Ostersonntag 16.04.1854 vgl. „Nürnberg. (Musikalisches.)“, in: ebd. 22.04.1854, S. [4].

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (21.08.2024).