Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Mylius:5

So leid es mir thut die Idee, eine Verwandlung der music zu Prometheus in eine Oper betreffend, aufzugeben, so erfräulich1 war mir bestimmter Aufschluß darüber zu erhalten und zwar um so mehr als bei2 mir selbst immer einige Zweifel über deren Ausführbarkeit obwalten.
Sehr dankbar bin ich Ihnen daher werthgeschätzter Freund, daß Sie mich über den Gegenstand belehrt sowie auch daß Sie sich der Mühe unterzogen die Sache gründlich zu prüfen. Auch ich glaube daß eine Einsicht der Partitur des fraglichen Werkes Ihnen bedeutend bessere Meinung über die composition beibringen würde als es Ihnen der arrangirte Clavier Auszug gestattete und nimmt mich Wunder daß man nicht längst auf den Gedanken gekommen ist das Ganze sorgsam einstudirt mit vollem Orchester in einem Concert zur Aufführung zu bringen! –
Da der Ihnen eingesandte Clavier Auszug keine Verwendung mehr bei Ihnen hat, so bitte um gefäll. gelegentliche Rücksendung pr fahrende Post unter Angabe eines kleinen Werths, Mühe gütigst entschuldigend.
Ihrer schmeichelhaften Aufforderung etwas ersprießliches für die Tonkunst thun zu wollen und Ihrer gütigen Bereitwilligkeit mir hierin an die Hand zu gehen, bin ich gerne zu entsprechen geneigt sobald Sie mir einen Gegenstand bezeichnen können, der Ihrer vollen Ueberzeugung noch etwas wirklich beachtenswerthes und für die Kunst von bleibendem Werth darbietet! –
Einen Preiß für einen neuen deutschen Text zu der leider von der Bühne verschwundenen Oper „Cosi fan tutte,“ auszusetzen, würde wohl seinen Zweck verfehlen, denn wenn auch ein Goethe einen Text zu dieser vortrefflichen Music schreiben könnte so ist zu befürchten daß die Oper dennoch aus dem Grunde kein Glück mehr machen würde weil die Composition dem jetzigen ZeitGeschmack nicht ganz huldigt! – Was sagen Sie dazu?
Da mir dieser Tage von m. Bruder in Mailand ein ihm von seinem Freund Mozart3 verehrtes Autographen des letzteren Vaters zugeschickt wurde, so benütze ich diese Gelegenheit Ihnen solches zur Einsicht beizulegen, Sie bittend es mir mit dem Prometheus wieder zukommen zu lassen, auch die wiederholte Versicherung inniger Hochachtung zu empfangen, womit ich Sie aufs freundlichste grüße,

Carl Mylius

Ffrt a/m 21/11/53.

Autor(en): Mylius, Carl
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Beethoven, Ludwig van : <%Die%> Geschöpfe des Prometheus
Mozart, Wolfgang Amadeus : Così fan tutte
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1853112147

bitlx


Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Mylius. Möglicherweise ist Mylius der Empfänger eines Briefs von Spohr vom 29.09.1855, aus dem sich noch ein derzeit verschollener Brief erschließen lässt.

[1] Sic!

[2] „bei“ über der Zeile eingefügt.

[3] Vgl. „[Das in Pesth erscheinende Kundschafts- und Auctionsblatt]“, in: Rheinische Musik-Zeitung 7 (1856), S. 110.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.12.2023).