Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochwohlgeborener Herr Generalmusicdirector! 
Hochzuverehrender Herr! 

Nun erst kann ich Demselben die verlangte Anzeige des Erfolgs der Preisaussetzung für eine Hymne gehorsamst erstatten [die dritte Preisrichterliche Beurtheilung kam erst gestern ein.]1, und den Verfasser der Bewerbung (Einlaufzahl XIII.) mit dem trefflichen Spruch von Göthe: „Edle Selen vorzufühlen ist wünschenswerthester Beruf“, benennen. 
Neben Eur Hochwohlgeboren waren die Herren F. Liszt und V Lachner als Preisrichter erwählt. Durch eine Preisrichterstimme und Belobungen der beiden andern Beurtheiler erhielt gedachte Hymne (XIII.) den Preis zuerkannt. 
Ein Preisrichter erkannte der Bewerbung V. („Wer kann die großen Thaten u.s.f.“) ein andrer der mit VI. („Nach dem Höchsten!“) den Preis zu, und belobt wurden weiters die Werke Zahl XII. XI. und VIII. 
Die Verfasser dieser fünf Werke sind: V. Organist Herm Bönicke in Quedlinburg; VI. Karl Hering, Musikdirector in Berlin; XII. Ant. Leder Musikdirector in Marienwerder; XI. V.E. Becker in Würzburg, und VIII. Wilh. Volckmar, Seminarlehrer in Homberg (Kurhessen).
Der Componist der gekrönten Bewerbung (XIII.) ist Herr Wilh. Scheffer, Schüler des Herrn Professors F. Kühmstedt in Eisenach.
Zuvor lernte ich Beide im August v. J., da ich in Eisenach gewesen, zufällig kennen, kann aber von Herrn W. Scheffer, ein junger, ruhig, denkend u. ernster Mann, mit achtbarem Aeusern nicht sagen, wer seine Eltern sind, und an welchem Ort sie leben.
Beide Freunde haben mir Hoffnung gemacht, sie diesen Sommer bei mir zu sehen, deren Erfüllung mir dann um so angenehmer wird, weil ich dann Beide wohl auch durch dieses Erzeugniß in der Tonhalle (deren Mitglieder sie sind), erfreut sehen werden;2 welches ein Sporn mehr für den jungen, anerkannten Componisten sein wird, statt nach Tüchtigem tüchtig zu streben.
Der VereinsVorstand zweifelt nicht, daß derselbe, welchen wir den Preis selbst noch vorenthalten, umgesäumt die Verbesserung seiner Partitur bethätigen wird, die wir ihm (ohne Nummerirung) als preisrichterliche Bedingung angedeutet haben und denken, daß er dafür dankbar werde.
Nun aber auch den herzinnigen Dank des Vorstands und gewiß Alles, welche uns Bewerbungen und Wahlen der Herren Preisrichter eingesandt, daß Euer Hochwohlgeboren, die Gewogenheit gehabt, ohngeachtet Ihrer wichtigen und gewiß sehr in Anspruch nehmenden Berufs auch das ehrenvolle und bedeutenden Rufes nach London, der Wahl Ihrer allergeehrten Person als Preisrichter so gefällig als umsichtig, gerecht und bald zu entsprechen.
Möchten dieselben Ihre, dem Verein und seinem Zwecke so förderliche, Achtung erhaltende Gunst forthin schenken wollen, und uns rathen, welche Aenderungen oder Verbesserungen wir in Bezug auf die Tonhalle, ihre Einrichtung und Verachtung nach Ihrer reifen kenntniß und erfahrungsreichen Einsicht einzuführen suchen sollen! 
In Verehrung beharre 

Euer Hochwohlgeboren
gehorsamster Diener
A. Schüssler 
Schriftführer der Tonhalle

Mannheim 5. August 
1853.



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit nur als Entwurf erhaltenen Brief von Spohr an Schüssler. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schüssler an Spohr, 30.11.1853.

[1] Der Ausdruck in Klammern als Fußnote am unteren Seitenrand eingefügt.

[2] Hier hat Schüssler beim Schreiben des Nebenssatz’ offensichtlich den Beginn vergessen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (17.02.2026).