Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287
Hochgeehrtester Herr Pathe!
Die bei uns in den Waldorten so gar große Noth, von welcher Sie wahrscheinlich auch gehört haben, da ja von allen Gegenden Unterstützungen für die Bewohner eingesandt werden, hat leider auch bei uns schon seit einiger Zeit Eingang in unseren Haushalten gefunden, da die Lebensmittel im Vergleich gegen meines Gatten Besoldung, kaum mehr zu verschaffen sind, und – die Kinder haben oftmals schon hungrig zu Bette gehen müßen. Ach! wie blutet da das Herz den Eltern! und, doch darf und kann man es Niemand klagen. – Da traf uns auch das Schicksal, das drei Kinder zwölf Wochen an Nervenfieber darnieder lagen um deren Leben wir beständig in Angst und Sorge schwebten, und wo wir Alles was nur entbehrlich war, sowohl Kleidungsstücke als andere Sachen verkaufen mußten, um unsere Pflicht und Schuldigkeit thun zu können. Schon dazumal wollte ich mir die Freiheit nehmen und Ihnen um eine Unterstützung zu bitten, doch immer und immer verschobn ich es wieder, indem mir der Muth dazu mangelte, Ihnen nochmals darum zu bitten, weil ich mich Ihnen so schon zu großem, großem Dank verpflichtet fühle. Da fand ich Ihren mir so theuren Brief unter einem [???] und daraus ganz Ihr edles wohlwollendes Herz erkennend, gab ich mich sogleich der Hoffnung hin, daß, wenn ich eine kurze Schilderung unserer nothleidenden Lage Ihnen mittheilte, Sie gewiß einige Rücksicht darauf nehmen würden. In dieser freundlichen Hoffnung schließe ich diese Zeilen und bin immer
Ihre
dankbare Pathe
Auguste Wohlgemuth.
Thal 24/5 52.
| Autor(en): |
Wohlgemuth, Auguste |
| Adressat(en): |
Spohr, Louis |
| Erwähnte Personen: |
Wohlgemuth, Louis |
| Erwähnte Kompositionen: | |
| Erwähnte Orte: |
Thal bei Ruhla |
| Erwähnte Institutionen: | |
| Zitierlink: | www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1852052430 bitlx |
Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Wohlgemuth an Spohr, 24.05.1851. Spohr beantwortete diesen Brief am 29.05.1852.
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.05.2022).