Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochverehrtester Herr

Mit dem innigsten Dankgefühle erlaube ich mir Ew. Hochwohlgeboren anzuzeigen daß ich Exemplare meines 10t Pröbchens, welches Sie mir gütigst erlaubten, mit Ihrem hochgeehrten Namen schmücken zu dürfen, auf Buchhändlerwege abgeschickt habe. Ich habe diese Gelegenheit benutzt, auch Exemplare meines 3t 4t 6t 8t 9 u 10 Werkes beizulegen um Ew. Hochwohlgeb. einen Überblick meines seitherigen Wirkens zu geben. Leider ist ein unbekannter Componist jetzt gezwungen, mitunter Arbeiten wie die beifolgende Nocturne zu liefern, um den Kunsthändler für vielleicht bessre aber nicht so gangbare Sachen zu entschädigen. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Ew. Hochwohlgeb. in meinen Comp. den redlichen Willen erkennen möchten, die heilige Kunst nicht als Spielzeug zu betrachten.
Staudigl sang die Ballade1 u das Lied Nacht am See2 in einem Conzert der Frau Baronin Eichtthal bei Streicher vor sehr gewähltem Publicum u ich glaube daß beide Nummern gefallen haben. Staudigl sang sie meisterhaft.3
Mit verdoppeltem Eifer werde ich mich bemühen, mich all dieser aufmunternden Auszeichnung einst würdig zu zeigen.
Sollten einige meiner Comp. Ew. Hochwohlgeb. entsprächen, wage ich, wiewohl schüchtern die Bitte daß es mir vergönnt sein möchte, vielleicht in irgend einer musik. Zeitung des Auslands (Cöln, Mainz, Leipzig od. Berlin) durch Ihre gütige Verwendung einige Worte der nachsichtsvollen Aufmunterung erwähnt zu sehen was für das Ausland mir von besonderem Nutzen sein würde.
Ich arbeite jetzt an einem größern Werke in strengerem Styl, welches mein ganzes Wesen erfüllt; möchte es mir doch mit Gottes Hilfe gelingen, zum Wohle der Kunst – so viel es meine geringen Kräfte erlauben – ein kleines Scherflein beizutragen.
Indem ich nichts sehnlicher wünsche, als daß Ew. Hochwohlgeb. meine wiederholt durchgesehene Ballade, deren Dedication mich mit Stolz erfüllt, so wie meine übrige Comp. mit freundlicher Nachsicht aufnehmen möchten, sage ich Ihnen wiederholt den innigsten, tiefgefühltesten Dank für die ehrende Auszeichnung die Sie meinem so geringen Talente angedeihen ließen u zeichne

mit vollkommenster Hochachtung
Ew. Hochwohlgeboren
treu ergebenster
Pohl.

5t April 52.



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Pohl an Spohr, 21.01.1852.

[1] Op. 10.

[2] Op. 11.

[3] Vgl. „Nüchterne Compositionen, denen selbst der meisterhafte Vortrag Staudigls nicht Theilnahme zu erwerben vermochte“ („[Frau Baronin Eichtthal]“, in: Presse <Wien> 18.02.1852, S. [3]).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (20.07.2024).