Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Herrn Kapellmeister Louis Spohr
in Cassel
nebst 2 Portraiten

durch gef. Vermittlung
des Herrn Wilhelm Speyer
in Frankfurt


Geehrter Herr Kapellmeister!

Ich muß Ihnen doch zeigen, wie Ihr Portrait1 ausgefallen und send Ihnen ein Exemplar davon Zum freundlichen Andenken! – Ihre Frau Gemahlin wird Ihnen meine Bitte um ein Motto Ihrer Hand für meine Mottosammlung die gewißermaßen als Ergänzung zu den Portraiten dienen sollen und warum der Portraitierte eine Lehre – Lebensansicht & Regel oder ein Streben ein Ideal oder eine Warnung Anschauung &2 – und Zielbegreifung darlegt –
Ich gebe Ihnen Einige hiebey von Andern meiner Sammlung in Abschrift – die Sie vielleicht interessieren. Ihre Antwort senden Sie gef3 durch Herrn W. Speyer an Herrn Reichardts Nachfolger (hier) in Frankfurt – die mir in Kurzem eine Sendung machen. –

Ich empfehle mich Ihrer Frau Gemahlin mit Achtung und Freundlichst zeichnend
bin ich
Herr Kapellmeister
Ihr
ergebener
F. Vogel
Mayland
Albergo Reichmann

Viel von Allergrößen weiß oft Einer
doch vom Allerkleinsten Alles Keiner
Ffm. May 1850 Reiffenstein4

Motto zu meiner Portraitsammlung
von Uhland
Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst5
Tübingen May 1851. gez. Lud. Uhland

vom Staatsrath Joukowsky.
Die Poesie ist Gott in den heilgen Träumen der Erde6
Badenbaden 1850 v. Joukowsky

vom König Ludwig von Bayern
was ist das ist
Ein Thor du bist
willst Du darum dich grämen
wirst nur dem Leben lähmen7
München 19 Februar 1851 gez. König Ludwig v Bayern

von Arndt.
nur Einen Freien giebts heißt Gott
der Spruch spricht nicht der Freiheit Spott
Gott gleich nicht doch Gott ähnlich werden
so klingst8 vom Himmel ab zur Erden.9
Bonn Feb 1849 gez E M. Arndt.

vom Prinzen v. Preußen10
Wer den Sinn aufs ganze hält gerichtet dem ist der
Streit in seiner Brust geschlichtet.11
vom Prinzen12 Albrecht v. Preußen.
was der Mensch nicht aufgiebt hat er auch nicht verloren13
Villa Charlotte 1851 gez. Prinz Albrecht v. Preußen
&&

Autor(en): Vogel, Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Albrecht Preußen, Prinz
Arndt, Ernst Moritz
Reiffenstein, Carl Theodor
Spohr, Marianne
Uhland, Ludwig
Wilhelm I., Deutschland, Kaiser
Žukovskij, Vasilij Andreevič
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1851071048


Dieser Brief entstand sicherlich erst nach Spohrs Abreise aus Mailand am 03.07.1851 (vgl. Marianne Spohr, Tagebucheintrag 03.07.1851; das Tagebuch erwähnt keine Personen, die das Ehepaar in Mailand traf, allerdings stiegen Spohrs im gleichen Hotel Reichmann ab, das Vogel als Absender nennt (vgl. Tagebucheintrag 30.06.1851)). Am 19.08.1851 hatte Spohr diesen Brief noch nicht erhalten, wie aus seinem Brief an Wilhelm Speyer hervorgeht. Da die Sendung wiederum wegen der Fotos über Speyer in Frankfurt geschickt wurde, hat dies freilich noch nicht zu bedeuten, dass der Brief zu dieser Zeit noch nicht in oder auf dem Weg nach Deutschland war.

[1] Noch nicht ermittelt.

[2] „Anschauung &“ unter der Zeile eingefügt.

[3] Abk. f. „gefälligst“.

[4] Vermutlich der Maler Carl Theodor Reiffenstein. Für weitere mögliche Kandidaten vgl. Staats- und Adreß-Handbuch der Freien Stadt Frankfurt (1851), S. 235f.

[5] Das Blatt ist erhalten, abweichend von Vogels Angabe aber auf "10. Mai 1850" datiert. Zum Zitat vgl. Ludwig Uhland, „Ernst, Herzog von Schwaben“, in: ders., Dramatische Dichtungen, Heidelberg 1846, S. 103.

[6] Vgl. Johannes Janssen, Zeit- und Lebensbilder, Bd. 2, Freiburg im Breisgau 1889, S. 80.

[7] Vgl. „Am Tage nach der Abdankung“, in: Gedichte Ludwigs des Ersten Königs von Bayern, hrsg. v. Georg Laubmann, München 1888, S. 4.

[8] Hier gestrichen: „herab“.

[9] Vgl. Ernst Moritz Arndt, Gedichte. Vollständige Sammlung, Berlin 1860, S. 660.

[10] Der nächstjüngere Bruder des kinderlosen Königs Friedrich Wilhelm IV., dem er 1861 nachfolgte, und ab 1871 spätere deutsche Kaiser Wilhelm I.

[11] Vgl. Friedrich Schiller, „Die Huldigung der Künste“, in: ders., Sämmtliche Werke, Bd. 9, Stuttgart und Tübingen 1818, S. 13-16, hier S. 15.

[12] Hier gestrichen: „Carl“.

[13] Vgl. Friedrich Schiller, „Maria Stuart“, in: ders., Schillers Sämmtliche Werke, Bd. 5, Stuttgart und Tübingen 1838, S. 72.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (11.02.2025).