Autograf: Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Catlenburg am 8ten Februar 1850

Mein innigst verehrtester theuerster Freund! 

Mit welch tiefer Thelnahme und schweren Sorgen Kömpel’s Nachricht des Ihnen bey der beyspiellosen Glätte überkommenen schweren Unfalles uns ergreift, dafür fehlt aller Ausdruck! – wie wohl die Nachschrift, nachdem Er sie, – auch uns mit verdoppelten Dankempfindungen erfüllend, – hatte sehen und sprechen dürfen, schon etwas mehr Beruhigung brachte, als seine höchst natürlich aufgeregteste Erzählung des so unglücklichen Falles an sich. 
Dem Himmel sey Dank bringt nun sein neustes Schreiben vom 5t v. M. noch ferner beruhigendern Kunde! – und die frohe Hoffnung baldiger gänzlicher Herstellung, da nun wieder die Erquickung nächtlichen Schlafes erreicht und das Bedürfniß der Eis-Umschläge vermindert ist! – 
Dennoch haben wir die beygehenden Würstel mit einigem Zagen eingepackt, – ob auch wohl Ihnen wie Ihrer theuren Frau Gemahlin, nach auch so ernster Krankheit, damit eine Verführung zu vielleicht noch nicht wieder dienlicher Lieblings-Speise zugeführt werden mögte – ? – und die innigsten Wünsche des Gegentheil’s begleitet doch auch die herzliche Bitte, ohne ausdrückliche Erlaubniß des Arztes das Schachtelchen lieber gar nicht öffnen, und in dem unerwünschten Falle dessen auch nur suspensamen1 Veto’s, – also doch verbleibender ärztlicher Zweyfel darüber, – dasselbe lieber sofort an Ihre verehrte Frau Tochter2 abgegeben lassen zu wollen! – Ohnehin war auch die Witterung zu reich, um ohne Eiskeller ein delikates Fabrikat erreichen zu können. – Für unser nächstes Nordheimer Abonnements-Concert hat nun nur die dießeitige Wahl zwischen dem 19t, oder 20ten, oder 21st d. M. offen erhalten werden können; was ich hie eben auch Kömpel anzeige, mit dem Anfrage, ob wir hier seine abermahliche Ueberkunft würden erhoffen dürfen, wenn einer dieser 3 Tage zu dem Concerte bestimmt werde,? u vergeblich, welcher für dessen Erreichung zu bestimmen seyn würde? – 
Da ich auf das lebhafteste und eben so dankbar erkenne und empfinde, mein verehrtester Freund! wie Sie diese große Freude uns so herzensgern wiederum würden bereiten mögen: so füge ich umgekehrt jeder anderen Berücksichtigung vorangehend die dringende Bitte hinzu, die Erlaubniß zu der abermahls dreytägigen Abwesenheit zu verweigern, wenn auch nur die geringste Gefahr eines Ihnen daraus erwachten kommenden, jetzt so leicht verdoppelt noch ähnliche Aufregung bringenden Verdrusses irgend welcher Art damit verbunden seyn würde! – 
Nur nachdem ich diese, herzlich auch schon von selbst sich verstehende, bittliche Bevormerkung auch offen ausgesprochen habe, würde ich denn der Ueberkunft des genialen Jüngling’s, wenn solche zu erlauben Sie angemessen erachten, ungestört mich herzlich erfreuen können! – zu Mahl wenn Er denn, wie ja ja nun zu erhoffen, die Kunde Ihrer vollen Reconvalenscenz, wie auch der nun wieder völligen Erkräftigung Ihrer theuren Frau Gemahlinn uns würde mitbringen können! – 
Mit diesen unseren heißesten Wünschen unwandelbar innig 

Ihr 
so warmer als dankbarer Verehrer 
CFLueder.

Autor(en): Lueder, Christian Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Spohr, Marianne
Wolff, Ida
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Northeim
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: https://www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1850020835


Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lueder an Spohr, 16.01.1850. 
Existenz und Datum dieses Briefs folgen aus dem nächsten erhaltenen Brief dieser Korrespondenz, Lueder an Spohr, 27.02.1850.

[1] Hier wohl „schwebenden“.

[2] Ida Wolff.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.03.2026).